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12.09.2017

30 Jahre Freundschaft zwischen Kleingärtnerverbänden aus der Region Poznan und Westfalen-Lippe

Wie alles begann

Am 19.August 1987 unterzeichneten die Präsidenten der Kleingärtnerverbände aus Deutschland (BDG) und Polen einen Freundschaftsvertrag. Bereits wenige Wochen später, vom 20. – 26. September 1987, fand eine historische Begegnung zwischen Gartenfreundinnen und Gartenfreunden aus der Provinz Poznań (Posen) und dem Landesverband Westfalen und Lippe statt. So entstand eine Freundschaft, die in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag feiert. Ein solches Ereignis verdient besondere Würdigung. Auf Einladung unserer polnischen Freunde besuchte eine Delegation unseres Landesverbandes unter Leitung des Landesverbandsvorsitzenden Wilhelm Spieß vom 4. bis 9. September 2017 die Provinz Großpolen/Poznań.


30 Jahre Partnerschaft

Enthüllung der GedenktafelEnthüllung der Gedenktafel in der Kleingartenanlage Przyluskiego durch Barbara Czapla, Vereinsvorsitzende, und Wilhelm Spieß, Landesverbandsvorsitzender


Mit einem abwechslungsreich gestalteten Programm würdigte der Gastgeber ein­drucks­voll dieses besondere Jubiläum. Bürgermeisterempfänge in Śrem, Czerwonak und Poznań gehörten ebenso zum Programm, wie der Besuch von Klein­gar­ten­an­la­gen. Ein historischer Höhepunkt war gewiss der Besuch in der Kleingartenanlage Przyłuskiego in Poznań, wo am 20. September 1987 erstmals die westfälisch-lippische Delegation Kleingartenboden betrat. Anlässlich unserer Wiederkehr wurde eine Ge­denk­ta­fel am Vereinshaus offiziell enthüllt und ein Friedensbaum gepflanzt, während zeitgleich Brieftauben aufsteigen und die Botschaft von diesem besonderen Ort ins Land tragen.


Besuch eines Nachbarschaftsgartens in PoznańBesuch eines Nachbarschaftsgartens in Poznań


Früchte der Partnerschaft wachsen und reifen

Was haben wir ein stückweit gemeinsam auf den Weg gebracht? Welche Früchte trägt diese Partnerschaft? Hierzu an dieser Stelle ein paar Anmerkungen, ohne Wertung und Anspruch auf Vollzähligkeit.


Informationen zur BiodiversitätInformationen zur Biodiversität in der Kleingartenanlage 2. Armii Wojska Polskiego in Poznan


Gemeinsam haben 2012 Kleingärtner aus Poznań und Westfalen-Lippe eine Re­so­lu­ti­on zum Schutz von Kleingartenland unterzeichnet und dem Sejmmarschall (bei uns der Bundespräsident) überreicht. Bürgermeisterempfänge in der Region Poznań waren immer weit mehr als der Austausch von Grußbotschaften. Zusammen mit Ver­tre­tern der Kommunalpolitik und Behörden haben wir uns oft über die Aufgaben der Kommunen für das örtliche Kleingartenwesen unterhalten. Dass dieser kom­mu­nal­po­li­tische Austausch zwischen Westfalen-Lippe und Poznań mittlerweile Früchte trägt, das konnte die Delegation eindrucksvoll im Gespräch mit dem Oberbürgermeister der Stadt Poznań erfahren. Hier arbeiten die Kleingärtner mit der Politik und Verwaltung eng zusammen. Das Kleingartenland ist durch langfristige Pachtverträge weitgehend gesichert. Der Oberbürgermeister betont, dass nach seinem Verständnis Klein­gar­ten­an­la­gen ein großes gartenkulturelles Potential auch für die Öffentlichkeit bieten.


Empfang und VorlesungEmpfang und Vorlesung zum Kleingartenwesen im Hörsaal der Adam Mickiewicz Universität


Auch Forschung und Wissenschaft beschäftigen sich mit dem Kleingartenwesen, ins­be­son­dere mit den städtebaulichen und ökologischen Aspekten. Davon konnten wir uns anlässlich eines Empfangs an der Fakultät für Geowissenschaften und Geo­gra­phie der Adam Mickiewicz Universität überzeugen. Vergleichende Untersuchungen zum Kleingartenwesen in Polen und Deutschland sind letztendlich auch das Ergebnis einer gelebten Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen, wo sich Studenten und junge Wissenschaftler dranhängen. So berichtete die Studentin Małgorzata Marciniak über ihre vom Landesverband initiierte Teilnahme am 4. Bundeskleingärtnerkongress 2017 in Berlin, die in einer Diplomarbeit zum Kleingartenwesen in Poznań und West­falen-Lippe münden wird.

Dass von Gärten unvorstellbare Wirkungen ausgehen, das konnten wir mit Demut und Respekt im Blindengarten von Owińska hautnah erfahren. Junge blinde Men­schen besuchen hier ihre Schule und erleben Garten und Natur auf ihre Weise, unter­stützt von einem engagierten Expertenteam.


Drei Blauschafe und ihre Botschaft

Der gemeinsame Abschlussabend und die Teilnahme am Erntedankfest – das waren am Ende unserer Reise gewiss auch einzigartige Höhepunkte. Als Zeichen der Ver­bun­den­heit und Freundschaft, gestern, heute und in Zukunft, übereichten im Namen der Delegation der Landesverbandsvorsitzende Wilhelm Spieß und Geschäftsführer Werner Heidemann zwei Schafe aus der Herde des westfälischen Künstlers und Blau­schäfers Rainer Bonk. Seine blauen Schafherden waren schon in vielen Städten Eu­ro­pas als Ausstellung unterwegs, seine Blauschafe grasten auch in Berlin am Reichstag und vor dem Düsseldorfer Landtag. Das Blau der Schafe ist der Blauton der Eu­ro­pa­flagge. Und so wie jeder von uns einzigartig und wichtig ist, so ist er nur in der Ge­mein­schaft stark – so die Botschaft der Blauschäferei. Drei Blauschafe grasen als kleine Herde nun in Poznań, das Eine am Rathaus der Stadt Poznań, zwei weitere Schafe bei den Kleingärtnern. Sie grasen für ein friedliches Miteinander, Toleranz und eine starke Freundschaft.


Gruppenfoto auf dem ErntedankfestUnd zum Abschied ein Gruppenfoto auf dem Erntedankfest

Ein Blauschaf als Zeichen für Toleranz und FriedenEin Blauschaf als Zeichen für Toleranz und Frieden überreichten Wilhelm Spieß und Werner Heidemann dem Oberbürgermeister der Stadt Poznań, Jędrzej Solarski, (links im Bild)

Unsere Gastgeber mit Blauschafen aus Westfalen-LippeUnsere Gastgeber mit Blauschafen aus Westfalen-Lippe v. l. Wilhelm Spieß, Jerzy Kucznerowicz, Vorstand Landesverband Poznań, Zdzislaw Sliwa, Vorsitzender Landesverband Poznań, Werner Heidemann

Urkunde zum 30-jährigen PartnerschaftsjubiläumZdzislaw Sliwa, Vorsitzender des Landesverbandes Poznań, (links im Bild) überreicht dem Landesverbandsvorsitzenden Wilhelm Spieß zum 30-jährigen Partnerschaftsjubiläum eine Urkunde.


Völkerverständigung ist ein wertvolles Gut, das wir nicht nur den Politikern überlassen

Wo immer wir auch waren – in Kleingartenanlagen, Rathäusern, Hörsälen, Ge­mein­schafts­gärten, im Blindengarten, Naturpark Puszcza Zielonka, im Arboretum Kórnik, einer neuen Müllverbrennungsanlage, und anderswo … – mit Freude und offenen Herzen wurden wir stets empfangen.

Dieses Jubiläum ist für uns mit Dank, Anerkennung und Ansporn verbunden. Dank gilt denen, die damals den Grundstein für diese Partnerschaft und Freundschaft gelegt haben. Anerkennung verdienen alle Freunde, die in Polen und Deutschland mit ihren Händen und Herzen zur Verständigung beitragen und die Partnerschaft und Freund­schaft festigen.

Ansporn und Antrieb mögen aus diesem Jubiläum für die Zukunft erwachsen, denn Partnerschaften und Freundschaften als wichtiger Teil der Völkerverständigung brauchen Pflege, Gespräche und gemeinsames Handeln. Dazu wollen wir beitragen, denn Völkerverständigung ist ein wertvolles Gut, das wir nicht nur den Politikern überlassen wollen. 2019 erwarten wir eine Delegation aus Poznań in Westfalen und Lippe.

Werner Heidemann