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06.10.2015

Begegnungen in NADESHDA und Belarus

Gegenseitige Besuche von Gartenfreunden aus Belarus und Westfalen – Lippe sind mitt­ler­wei­le zu einer festen Größe einer außergewöhnlichen Partnerschaft mit dem Kinderprojekt NADESHDA geworden. NADESHDA verbindet viele Menschen in Ost und West auch über das Projekt hinaus. Viele Partnerschaften und Freundschaften – ob im Privaten oder auf Ebene der Bezirks-/Stadtverbände und Kleingärtnervereine – sind so entstanden, be­rei­chern unser Leben und sind so ein wertvoller Baustein für ein Europa ohne Grenzen. 22 Gartenfreunde aus den Bezirks-/Stadtverbänden Bielefeld/Kreis Gütersloh, Castrop-Rau­xel/Waltrop, Gelsenkirchen, Hamm–/Kreis Unna, Münster, Referenten der Landesschule und BDG Geschäftsführer Stefan Grundei lernten vom 20. – 23. September 2015 NADESHDA sowie Land und Leute in Belarus kennen. Verschiedene Ausflüge verschafften uns neue Einblicke in Stadt und Land, Geschichte und Gegenwart in Osteuropa. Wer die Gedenkstätte „Chatyn“ besucht, spürt hautnah die nationalsozialistische Politik der ver­brann­ten Erde in Weißrussland während des zweiten Weltkrieges. Die zentrale Kriegs­ge­denk­stätte erinnert an mehr als 600 verbrannte Dörfer und ihre durch NS Schergen brutal ermordeten Bewohner. Chatyn war eines dieser zerstörten Dörfer, wo heute Betonsteine die Grundrisse der zerstörten Häuser markieren und symbolisch errichtete Schornsteine an die Brandschatzung der Häuser erinnern. In Gedanken versunken verließen wir diesen Friedhof der verbrannten Erde. Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: „Gemeinsame Begegnungen wie diese in NADESHDA sind wichtig, damit wir Vertrauen statt Hass säen“. Zurück ins Kinderzentrum. 11 Teilnehmer unserer Gruppe waren das erste Mal dabei und sie lernten bei einem Rundgang das Kinderdorf mit Aufenthaltshäusern, schulischen und medizinischen Einrichtungen, Mensa, Sporthalle und Freizeiteinrichtungen kennen. Wer schon des Öfteren da war konnte feststellen, dass NADESHDA wächst. Der medizinische Bereich wurde modernisiert und die Mensa erweitert. Im Sinne einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Entwicklung wird die Energieversorgung des Zentrums auf erneuerbare Energien (Holzhäcksel, Solar, Photovoltaik) umgestellt.

Besuch der Gedenkstätte „Chatyn“
Chatyn erinnert an die systematische Vernichtung der weißrussischen Dörfer und ihrer Bewohner

Valentin Tscherepok, Leiter der Bio Gärtnerei im Kinderzentrum, berichtete über den na­tur­ge­mä­ßen Anbau von Obst und Gemüse. Im Gewächshaus wachsen Paprika und Gurken und draußen auf den Feldern verschiedene Kohlarten, Zwiebeln, Möhren, Rote Beete und andere Gemüsekulturen. Alexander Ruchlja, stellv. Vorsitzender des Vereins „Lebendige Partnerschaft“, stellte die Bedeutung der Datschen in seiner Heimat vor. Da gibt es durchaus Gemeinsamkeiten mit dem Kleingartenwesen. Die kleinen Sommerhäuser mit einigen Hundert m² Garten drum herum haben nach der politischen Wende in Russland vielen Bürgern das Überleben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch den Eigenanbau von Obst und Gemüse erleichtert. Viele Betriebe haben früher ihren Angestellten Dat­schen­land zur Verfügung gestellt. Diese soziale Serviceleistung scheint heute mehr und mehr dem Diktat der Wirtschaft zu weichen.

Baubeschränkungen für Datschenland gibt es nicht mehr und wer es sich leisten kann, der baut sich sein Luxusdomizil. Die Datschenkultur ist in Belarus noch sehr verbreitet. Ca. 80% der Bevölkerung haben eine eigene Datsche bzw. sind über Familienangehörige und Freunde mit der Datsche verbunden.

Der Festabend anlässlich des 21. Geburtstages von NADESHDA war wohl der Höhepunkt unseres erlebnisreichen Kurzaufenthaltes in Belarus. Peter Schulz, stellvertretener Vor­sit­zen­der des Landesverbandes, und Geschäftsführer Werner Heidemann überreichten im Namen der Gruppe und der großen Kleingärtnergemeinschaft von Westfalen und Lippe einen Spendenscheck in Höhe von 11.500 €. Dieser stolze Betrag ist das Ergebnis unserer letztjährigen Weihnachtsspendenaktion „Taten statt Weihnachtskarten“. Peter Schulz: „Wir verzichten als Landesverband auf die üblichen Weihnachtskarten und Geschenke und spenden für NADESHDA“. Mit dieser Aktion schaffen wir Bewusstsein für ein gutes Projekt, stoßen etwas an und Andere ziehen mit ihren eigenen Unterstützungsaktionen nach. So sind in diesem Jahr die Bezirks-/Stadtverbände Bielefeld/ Kreis Gütersloh, Castrop-Rauxel/Waltrop, Gelsenkirchen, Hamm–/Kreis Unna, Soest sowie der Kleingärtnerverein „Grüne Insel“, Bergkamen, mit Spenden dabei. Sinneskräuter hat unser Beraterteam auf der BUGA 2015 in Havelberg gegen Spenden abgegeben und ebenso macht es die Frau­en­grup­pe mit selbstgestalteten Gartenaccessoires. Spontan spendeten Seminarteilnehmer einer bundesweiten Veranstaltung des BDG für diese gute Sache, als sie in Hamm von den Aktivitäten des dortigen Bezirksverbandes zugunsten von NADESHDA erfuhren. Viele Hände und Herzen unterstützen NADESHDA. Die Gesamtspende wird gezielt für den Kauf eines Traktors verwendet, der dringend für Arbeiten in den Obst- und Gemüsekulturen des Zentrums benötigt wird.

Unsere Partnerschaft lebt: Im Sommer 2016 erwarten wir in Westfalen und Lippe den Be­such von Gartenfreunden aus Belarus.

Werner Heidemann