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13.11.2013

Begegnungen in NADESHDA und Belarus

Zum 19. Jahrestag von NADESHDA eine Geburtstagsfeier mit den Kindern – Luftballons steigen in den Himmel.

Jahrestage bieten Anlass zum Innehalten. Der Blick geht zurück und nach vorn. Rückschau und Ausblick – beides prägte den Festabend am 24. September 2013 anlässlich des 19-jährigen Bestehens des Kinderhilfsprojektes NADESHDA in Belarus. Und gewiss war dieser Geburtstag ein Höhepunkt unseres einwöchigen Aufenthaltes in Belarus vom 18. bis zum 25. September des Jahres.

Rückschau
Was vor mehr als zwei Jahrzehnten engagierte Christen in Ost und West nach dem verheerenden Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl als Ideenskizze auf den Weg brachten, hat sich zu einem prächtigen Projekt entwickelt. Seit 19 Jahren finden Kinder im Alter von sechs bis 17 Jahren für knapp vier Wochen Erholung sowie pädagogische und medizinische Betreuung.

NADESHDA wächst – davon konnten wir uns während eines Rundganges überzeugen. Heute können gleichzeitig 280 Kinder aus den verstrahlten Gebieten im Zentrum untergebracht werden. Der medizinische Bereich wurde erneuert und die Mensa erweitert. Im Sinne einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Entwicklung wird die Energieversorgung des Zentrums auf erneuerbare Energien (Holzhäcksel, Solar, Photovoltaik) umgestellt.

Der umweltverträgliche Anbau von Obst und Gemüse sichert die Versorgung der Kinder mit frischen Gartenprodukten, angebaut in einer strahlungsfrei gebliebenen Zone, ohne synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel.

Die Entwicklung dieses Projektes haben die Kleingärtner aus Westfalen-Lippe kontinuierlich unterstützt, durch Beratung, Saatgut und Spendengelder. So ist heute ein ökologisches Anbauzentrum entstanden, das in Belarus landesweit als Pilotprojekt anerkannt wird.

NADESHDA hat Zukunft
Und ein Geburtstagsgeschenk gab es auch: Wilhelm Spieß, Vorsitzender des Landesverbandes, überreichte im Namen der westfälischlippischen Kleingärtner einen Spendenscheck über 9300 Euro und Gemüsesaatgut an den Leiter des Kinderzentrums, Wjatscheslaw Makuschinskij. Dieser stolze Betrag ist das Ergebnis unserer letztjährigen Spendenaktion „Taten statt Weihnachtskarten“.

Dieses Geburtstagsgeschenk wird bald gut sichtbar angelegt sein: Zwei Kinder-Aufenthaltshäuser mit insgesamt 16 Plätzen werden komplett renoviert und erstrahlen im nächsten Jahr zum 20. Geburtstag in neuem Glanz.

Bis zu diesem runden Geburtstag in 2014 werden noch wichtige strategische Aufgaben zu erledigen sein. Welche Zukunft hat NADESHDA? Um es kompromisslos vorweg zu nehmen: NADESHDA hat Zukunft für Jahrzehnte!

Zwar verblasst heute in der öffentlichen Meinung das Schockereignis von 1986, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, aber sie ist dennoch in Weißrussland heute noch allgegenwärtig: 70 % des radioaktiven Fallouts sind hier niedergegangen auf ein Viertel der Bevölkerung dieses Landes, unter ihnen 500.000 Kinder. Und wer heute vor Ort ist, muss leider erkennen, dass der unsichtbare Feind, die Radioaktivität, sich nicht vertreiben ließ, Boden, Wasser, Tiere, Pflanzen und Menschen fest im Griff hat, und das vermutlich für die nächsten Jahrhunderte! Verlassene Dörfer und Felder sind stumme Zeugen dieser Katastrophe.

Kinder – die Zukunft dieser Erde – sind von den radioaktiven Gefahren am stärksten betroffen. Tödliche Missbildungen, Immunschwäche, Schilddrüsen- und Blutkrebs sind heute in den verstrahlten Gebieten erschreckend oft anzutreffen, und zwar um den Faktor 10- bis 20-mal höher im Vergleich zu unbelasteten Gebieten! Wer in Weißrussland von Tschernobyl unmittelbar betroffen ist, für den gibt es kein Zurück zu einem unbelasteten Leben in seinem Heimatdorf.

Mit NADESHDA keimt für diese Menschen ganz viel Hoffnung! Junge Menschen können für einige Wochen ihr Leben ohne Angst vor der Strahlung leben, sauberes Wasser trinken und gesundes Obst und Gemüse essen. Im Rahmen der Umwelterziehung wird Bewusstsein geschaffen für den schonenden Umgang mit den Ressourcen Boden, Wasser und Luft. Mehr und mehr behinderte Kinder und Jugendliche finden in Zukunft im Kinderzentrum Erholung.

Gartenfreunde aus Westfalen-Lippe und Belarus im Museums-Garten des Marc Chagall-Hauses

Verschiedene Ausflüge vom Kinderzentrum aus verschafften uns neue Einblicke in Stadt und Land. Ein Rundgang durch den Naturschutzpark Berezinski, verbunden mit Informationen des Parkrangers über den Naturschutz in Belarus, und ein Besuch in Vitebsk, dem Geburtsort des großen europäischen Malers Marc Chagall, waren eine willkommene Ergänzung eines interessanten Besuches in einem touristisch noch kaum erschlossenen Land.

Unsere Partnerschaft lebt: Im August 2014 erwarten wir in Westfalen-Lippe den Besuch von Gartenfreunden aus Belarus.

Werner Heidemann,
LV-Geschäftsführer