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19.09.2014

Deutsch-belarussische Begegnung

37 Gartenfreunde aus Belarus zu Gast in der Landesschule Lünen

Das war ein emotionaler Abschiedsabend mit zahlreichen intensiven Gesprächen in kleinen und großen Runden! Dabei standen die gemeinsamen Erlebnisse der letzten sieben Tage im Mittelpunkt der Gespräche zwischen den Gartenfreunden aus Belarus und Westfalen-Lippe.

Vom 12. bis zum 19. August war die Landesschule der Kleingärtner in Lünen das zentrale Quartier für unsere 37 Gäste aus Belarus. Von hier aus starteten sie Tag für Tag mit dem Reisebus zu den unterschiedlichsten Zielen in Westfalen, um Land und Leute, Klein­gar­ten­an­la­gen, Stadtparks, die Landesgartenschau in Zülpich, Stadtgestaltung und Stadtumbau kennenzulernen. Träger dieser Veranstaltung waren der westfälisch-lippische Lan­des­ver­band in Verbindung mit dem „Institut für Kirche und Gesellschaft“, die deutsch be­la­rus­si­sche Stiftung „Lebendige Partnerschaft“ und das Kinderzentrum NADESHDA. Hier liegen die Wurzeln für eine schon zwei Jahrzehnte währende Partnerschaft, die längst den Kinderschuhen entwachsen ist.

Bezirks- und Stadtverbände übernehmen Betreuungspatenschaften
Gartenfreunde aus den Bezirks- und Stadtverbänden Bielefeld/Krs. Gütersloh, Bochum, Castrop-Rauxel/Waltrop, Dortmund, Gelsenkirchen, Hamm-Krs. Unna hatten jeweils für einen Tag eine Betreuungspatenschaft übernommen. Sie zeigten den Gästen das Be­son­de­re in ihren Heimatstädten und Kleingartenanlagen, berichteten über ihre Vereinsaktivitäten, Vorstandsarbeit, Fachberatung und Jugendarbeit.


Ein erlebnisreicher Tag in Bielefeld (v.l.): Werner Heidemann, Geschäftsführer des Landesverbandes, Vera Tolstikowa, Leiterin der belarussischen Delegation, Alfred Schmalbeck, Vorsitzender des Bezirksverbandes Bielefeld/Krs. Gütersloh


Helmut Meißner und Rolf Schaefers vom Vorstandsteam des SV Bochum haben beide schon an Begegnungen in Belarus teilgenommen und führten in diesem Jahr unsere Gäste durch ihre Heimatstadt Bochum. Der Besuch des Deutschen Bergbaumuseums war gewiss ein besonderer Höhepunkt im Ruhrgebiet.

Der Emscherumbau stand im Mittelpunkt des Besuches in Castrop-Rauxel. Fachexpertin Prof. Dr. Dr. Martina Oldengott von der Emschergenossenschaft berichtete unseren Gästen über die Geschichte der Emscher und die Renaturierung. Dieser Fluss steht – wie kein anderer – sinnbildlich für die Industrialisierung des Ruhrgebietes. Der Umbau des Emschersystems ist das größte Infrastrukturprojekt im Revier, und die Einbindung der Kleingärtner in dieses Mammut-Wasserprojekt ist für die Emschergenossenschaft und den Bezirksverband Castrop-Rauxel/Waltrop selbstverständlich.


Emscherumbau live – nach den Sicherheitsbelehrungen ging es mit Helm und Weste bekleidet in den Vortriebsschacht in Recklinghausen-Süd.


Stephan Bevc, Motor für die Jugendarbeit im Landesverband, stellte zum Thema „Wasser“ sein örtliches Jugendprojekt „Wasserforscher in der Zauberwelt Wasser“ vor.

Der Themenkomplex „Wasser“ wurde am folgenden Tag mit der Besichtigung des Was­:ser­wer­kes Haltern ergänzt. Die Gelsenkirchener Gartenfreunde unter Leitung ihres rührigen Vorsitzenden Franz Theilenberg hatten die Führung durch das Pumpwerk organisiert. Mit dem Empfang der Reisegruppe durch die Bürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen, Martina Rudowitz, endete ein informativer Tag in Gelsenkirchen.

Nur ein Tabellenplatz trennte die beiden Ruhrgebiet-Clubs aus Schalke/Gelsenkirchen und Dortmund in der letzten Saison. Ist doch klar, dass Dortmund nicht nur beim Fußball, sondern auch bei den Gartenfreunden vorne mitspielt! Stadtverbandsvorsitzende Edelgard Möller hatte mit ihrer Mannschaft ein attraktives Dortmund-Programm zusammengestellt mit den beiden Höhepunkten „Rombergpark“ und „Phönix-West“ als gelungenes Beispiel für Stadtumbau und neue Stadtgestaltung.


Rundgang durch die große begehbare Kräuterspirale im Gartenpark Innenstadt West in Dortmund.


Der Besuch von Landesgartenschauen gehört für Gartenfreunde zum Pflichtprogramm. Rolf König und Peter Schulz vom Betreuerteam des Bzv. Hamm-Krs. Unna führten unsere belarussischen Gäste in Zülpich durch die Jahrtausendgärten von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert.

Erfreulich! Erstmalig hat der Bezirksverband Bielefeld/Krs. Gütersloh eine Be­treu­ungs­pa­ten­schaft übernommen. Vorsitzender Alfred Schmalbeck und seine Kollegen können stolz sein auf eine gelungene Premiere in Ost-Westfalen. Nach dem Besuch der Sparrenburg war die Stadtrundfahrt mit der historischen Partystraßenbahn ein Überraschungscoup für alle Gartenfreunde aus Ost und West.

Ein Resümee – Wir gestalten Europa
„Gemeinsame Erfahrungen, Partnerschaften und Freundschaften sind sehr wertvolle Bausteine einer mehr als zwei Jahrzehnte gewachsenen Zusammenarbeit zwischen dem Kinderzentrum NADESHDA und den Kleingärtnern in Westfalen-Lippe“, betonte Vera Tolstikowa, Leiterin der belarussischen Gruppe, am Abschiedsabend. Dabei erinnerte sie an die besonderen Verdienste von Peter Schulz, der 1993 erstmalig als Aufbauhelfer in NADESHDA mit dabei war und seitdem das Projekt begleitet.

Kleingärtner aus den Regionen Hamm haben damals von Anfang an als Handwerker und Gärtner vor Ort mit angepackt. Vor zehn Jahren haben wir erstmalig über den Lan­des­ver­band das Projekt NADESHDA in andere Bezirks-/Stadtverbände und Kleingärtnervereine getragen und somit auf eine breite Basis gestellt. „Das Projekt hat sich zu einem harmonischen Orchester entwickelt; viele Menschen spielen mit an einem glanzvollen Stück, das erst in der Gesamtheit rund und schön erklingt“, mit diesem treffenden Vergleich knüpfte der Landesverbandsvorsitzende Wilhelm Spieß an die Ausführungen seiner Vorrednerin an und erinnerte an unsere traditionelle Unterstützungsaktion „Taten statt Weihnachtskarten“, die im Dezember anläuft. Wir verzichten dann auf den Versand der obligatorischen Weihnachtskarten und spenden die ersparten Kosten für NADESHDA. Aus der Erfahrung wissen wir, dass viele Vereine, Verbände und Gartenfreunde unseren Aufruf unterstützen und ihren Spendenbeitrag „oben drauf setzen“.

Eine Verabschiedung sollte auch mit einem Ausblick verbunden sein, den Werner Hei­de­mann wagte. Sein Appell: „Unsere Partnerschaften und Freundschaften – ob im Privaten oder auf der Ebene der Verbände und Vereine – sind wertvolle Bausteine für ein vereintes Europa. Unsere von Vertrauen und gegenseitiger Achtung geprägten Initiativen sind heute wichtiger denn je, wo doch in Europa wieder geschossen wird und eine neue politische Eiszeit zwischen Ost und West droht.“

Herzlichen Dank sagen wir den Verbänden und Vereinen, allen Gartenfreunden und Förderern, die mit ihrem Engagement Freundschaften und Partnerschaften in Europa mitgestalten und stärken.

Werner Heidemann,
LV-Geschäftsführer

 

Rückschau – wie alles begann

Was vor mehr als zwei Jahrzehnten engagierte Christen in Ost und West nach dem verheerenden Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl als Ideenskizze auf den Weg brachten, hat sich zu einem prächtigen Projekt entwickelt. Seit 20 Jahren finden im Kinderzentrum NADESHDA Kinder im Alter von 6–17 Jahren Erholung sowie pädagogische und medizinische Betreuung. Sie essen gesundes Obst und Gemüse, das in den Gärten des Kinderzentrums wächst.

Heute können gleichzeitig 280 Kinder aus den verstrahlten Gebieten im Zentrum untergebracht werden. Der medizinische Bereich wurde erneuert und die Mensa erweitert. Im Sinne einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Entwicklung wird zur Zeit die Energieversorgung des Zentrums auf erneuerbare Energien (Holzhäcksel, Solar, Photovoltaik) umgestellt.

Der umweltverträgliche Anbau von Obst und Gemüse sichert die Versorgung der Kinder mit frischen Gartenprodukten, angebaut in einer strahlungsfrei gebliebenen Zone, ohne synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel.

Die Entwicklung dieses Projektes haben die Kleingärtner aus Westfalen-Lippe von Beginn an unterstützt: durch Beratung, Saatgut und Spendengelder. Kleingärtner aus der Region Hamm waren von Anfang an als Aufbauhelfer mit dabei. Sie haben beherzt mit angepackt, die ersten Obstgehölze gepflanzt und gepflegt. So ist ein ökologisch-gärtnerisches Unternehmen entstanden, das in Belarus landesweit als Pilotprojekt anerkannt wird.

NADESHDA wächst und verbindet die Menschen in Ost und West, in Belarus und Deutschland, weit über das Projekt hinaus. Viele Partnerschaften und Freundschaften – ob im Privaten oder auf der Ebene der Verbände – sind so entstanden, bereichern unser Leben und sind ein wertvoller Baustein für ein vereintes Europa.