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03.09.2015

Frauenfachberaterinnen und Fachberater gehen gemeinsam auf Tour – BUGA lockt die Gartenfreunde aus Westfalen in die Havelregion

Geschichte hautnah erleben: Stölln war das letzte Flugziel für die Iljuschin 62 der DDR-Fluglinie INTERFLUG. LADY AGNES parkt heute im Blütenmeer auf dem Gol­len­berg, wo einst Otto Lilienthal seine ersten Flugversuche wagte.

Die diesjährige Bundesgartenschau (BUGA) wartet mit einer Besonderheit auf: Fünf Standorte bilden einen vielfältigen, dezentralen Erlebnisraum. Nordwestlich von Berlin wurde das blaue Band der Unteren Havel zwischen Brandenburg und Havelberg für Gartenkunst, Kulturevents und “grüne“ Stadtentwicklung genutzt. Hier in dieser eher ländlich geprägten Region haben die Kommunen Brandenburg an der Havel, Premnitz, Rathenow, Amt Rhinow/Stölln und die Hansestadt Havelberg in einem gemeinschaftlichen Kraftakt die Gartenschau realisiert und so das Havelland auf einer Strecke von 80 km landschaftspflegerisch, städtebaulich und touristisch aufgewertet. Ein Event, das sich die Frauenfachberaterinnen und Fachberater auf gar keinen Fall entgehen lassen wollten.

Analog zur Gartenfachexkursion des Vorstandsrates besuchten die Fachberater/innen vom 09. bis zum 12.08.2015 neben den drei BUGA-Standorten Brandenburg, Stölln und Havelberg auch die Autostadt Wolfsburg, das Elbe-Landmuseum und das Kloster Jerichow (vgl. hierzu auch den Bericht von Wilhelm Spieß im Gartenfreund Nr. 9, September 2015). Bei optimalem Wetter stieß die von Werner Heidemann, dem Geschäftsführer des Landesverbandes, hervorragend organisierte und begleitete Tour in das Land von Havel und Elbe auf große Zustimmung. Im Rahmen der BUGA-Rundgänge und in intensiven Gesprächen konnten die Gartenfreundinnen und Gartenfreunde ihre gärtnerische Neugier befriedigen und viele neue Impulse für ihre gärtnerische Arbeit und die ehrenamtliche Vereinsarbeit sammeln. Auch das Begleitprogramm traf den Nerv der Fahrt­teil­neh­mer/innen, wobei die Kremserfahrt oder die Schlauchboottour auf der Elbe für eine ganz besondere Abwechselung sorgten. Nach den Anstrengungen des Tages bot das Quartier im Schloss Tangermünde bei sehr guter Verpflegung und einem weit schweifenden Blick in die Elbaue die nötige Entspannung.

Mit dem NABU eine Schlauchboottour über die Elbe vorbei an Biberburg und Adlerhorst


Die Havelregion hat viel zu bieten

Die BUGA-Fahrt der Fachberater und Fachberaterinnen hat gezeigt, dass die Havelregion viel zu bieten hat. Auf dem Gartenschaugelände treten neben üppigen Rosenbeeten, grasreichen Staudenpflanzungen und farblich abgestimmten Sommerblumenrabatten besonders die integrierten, historischen Parkareale mit ihren alten Baumbeständen in Erscheinung. Beeindruckend sind auch die zu Ausstellungsräumen umfunktionierten Kirchen bzw. Kirchenruinen in den Städten Brandenburg und Havelberg sowie die großen Wasserareale der Havel und die technischen Elemente, wie der Aussichtsturm auf dem Marienberg in Brandenburg oder das auf Lilienthals Spuren wandelnde russische Großraumflugzeug auf den Trockenrasenflächen in Stölln. Das in Havelberg angesiedelte “Haus der Flüsse“ bietet im Rahmen einer multimedialen Ausstellung einen komprimierten Exkurs in den Naturraum und erläutert die Ökologie und Entwicklung der Havelregion und der Auenlandschaft. Abgesehen vom Gartenschaugelände selbst sind auch die historischen, von der Havel geprägten Städte und Gemeinden mit ihren liebevoll restaurierten Häusern und Plätzen einen Besuch wert.

Kleingärtner sind vielseitig interessiert und gut gelaunt


Naturnah Gärtnern in Havelberg

Bei den in Havelberg präsentierten Kleingärten “Am Nussberg“ bilden bunte Stau­den­ra­bat­ten, Kräuterbeete und Spalierobst einen Schwerpunkt. Außerdem zeichnet sich ein Trend zur Nutzung fruchttragender, heimischer Wildpflanzen ab, der auch von der hessischen Gartenakademie in einer Präsentation aufgegriffen wurde. Während die in der Stadt Brandenburg präsentierten Themengärten eher künstlich wirken und kaum zur Nach­ah­mung anregen, wartet u. a. der Mustergarten des NABU (Naturschutzbund) hier in Havelberg mit einer Vielzahl von brauchbaren und gut aufbereiteten Tipps und Beispielen zum naturnahen gärtnern auf. Die Gäste können sich im NABU-Garten und im Rahmen von Workshops intensiv über naturnahe Gärten informieren. Auf dem Areal finden sich bei­spiels­wei­se diverse Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten. Nützlingsfördernde Lebensräume wie Sandbienenbeete mit dem doldigen Habichtskraut oder der Sandnelke werden ebenso anschaulich gezeigt wie Wildblumensäume und Beete mit essbaren Blüten und Duftstauden oder lebendige Alternativen zum sterilen Gartenzaun. U. a. wird auch auf die große Bedeutung der heimischen Brutvögel und der dämmerungs- und nachtaktiven Fledermäuse hingewiesen, die sich in der Brut- und Aufzuchtsaison im Rahmen der Fut­­ter­­suche als fleißige Helfer bei der Schädlingsbekämpfung erweisen und darum durch das Anbringen geeigneter Nisthilfen und Quartiere gefördert werden sollten.


Dr. Neuhäuser von der NABU-Station Tangermünde-Buch erklärte den Teilnehmern am Modell den Verlauf der Elbe


Fazit

Die Organisatoren der BUGA haben in diesem Jahr den Focus auf die wasserreiche Au­en­land­schaft an der Havel und auf fünf historische Havelstädte in den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt gelegt. Ein Besuch in der Havelregion ist in mehrfacher Hinsicht empfehlenswert. Neben den Möglichkeiten zur aktiven Freizeitgestaltung eröffnet ein Besuch neue Perspektiven sowohl aus gärtnerischer und naturkundlicher als auch aus kulturhistorischer und städtebaulicher Sicht. Nach Aussage von Jochen Sander, dem Geschäftsführer der BUGA-Gesellschaft, sind alle im Zuge der BUGA getätigten In­ves­ti­tio­nen (für Ufererneuerungen, Brückenbauten, Spielplätze etc.) nachhaltig. Sie werden nach der BUGA der Öffentlichkeit zur Nutzung zur Verfügung gestellt (vgl. “Stadt und Grün“ 4/2015). Bleibt zu hoffen, dass die mit der Gartenschau in Kooperation mit der Tou­ris­mus­bran­che eröffneten Chancen sinnvoll genutzt werden und der Region im Sinne einer lebendigen Havellandschaft und einer nachhaltigen Stadt- und Landschaftsentwicklung dauerhaft zu Gute kommen.

Ulrike Brockmann-Krabbe, Landesfachberaterin