Deutsch
DeutschAktuellesNewsHonig- und Wildbienen im Kleingarten
25.02.2014

Honig- und Wildbienen im Kleingarten

Wildbienenschutz und Imkerei sind Teil der Fachberater­ausbildung an der Landesschule

Ich habe immer schon gerne Honig gegessen, bevorzugt vom Imker aus der Region. Aber das war nicht der einzige Grund, mir 1989 meine ersten zwei Bienenvölker anzuschaffen. Wenn man einen großen Garten pflegt und ihn naturnah bewirtschaftet, gehören Bienen einfach dazu. Sie sind Indikator für ein intaktes ökologisches Umfeld und sichern unsere Ernte.

Praktische Arbeiten am Lehrbienenstand und der Nützlingsarche sind Bestandteil der Fachberaterausbildung an der Landesschule.

Der gläserne Bienenstock
Im Lehr- und Lerngarten der Landesschule für Kleingärtner in Lünen wurde schon 1996, in Verbindung mit der Landesgartenschau, ein Bienenhaus für vier Völker als Lehrbienentand eingerichtet. Diesen betreue ich seither mit viel Freude. Eine große Anzahl von Besuchern der Landesgartenschau konnte ich 1996 begrüßen und über die Imkerei informieren. Grundschulklassen hatten die Möglichkeit, sich für Extraführungen anzumelden. Die Kinder erlebten dann einen lehrreichen und spannenden Vormittag mit meinen Honigbienen. Ein gläserner Bienenstock gewährte den Schülern Einblicke in die Kinderstube und den Arbeitsalltag der Bienen. Was damals begann, hat auch heute noch Bestand und ist aktueller denn je.

Heute verwende ich einen solchen Schaukasten gerne auch für meine Vorträge im Kursangebot der Landesschule. Ein Besuch des Lehrbienenstandes ist für meine Kursteilnehmer obligatorisch. Die Kleingärtner und angehenden Fachberater können so angstfrei in das Innere eines Bienenvolks sehen. Aber auch der direkte Blick in eine Bienenbeute, ohne Glasscheibe, ist möglich und wird häufig wahrgenommen.

Ohne Bienen – keine Birnen!
Nicht jeder unserer Gartenkollegen möchte und kann mit der Imkerei beginnen, auch wenn sich daraus eine Partnerschaft ergibt, von der alle profitieren:

  • Der Kleingärtner durch überdurchschnittliche Ernteerträge und ein einmaliges Naturerlebnis
  • Die Biene durch ein reichhaltiges Nahrungsangebot
  • Der Imker durch eine gute Honigernte.

Schließlich gibt es ja auch noch eine Vielzahl anderer Bienenarten in unserer Region, die unsere Blütenpflanzen bestäuben. Aus diesem Grunde habe ich den Themenbereich meiner Vorträge vor zwei Jahren erweitert. Honigbienen und Wildbienen im Kleingarten sind nun bei mir Unterrichtsgegenstand. Zudem eröffnet die Beschäftigung mit Wildbienen dem Gärtner die Tür, sich mit ökologischen Zusammenhängen auf seiner Parzelle stärker auseinanderzusetzen.

Eine Nützlingsarche für den Bienengarten
Ein sehr kreatives und motivierendes Kursangebot unserer Landesschule ist der Praxistag. Wir bauen dann mit einer Gruppe Nisthilfen für Wildbienen aus den unterschiedlichsten Materialien. Diese werden dann rund um den Lehrbienenstand aufgehängt oder in die von mir so bezeichnete „Nützlingsarche“ eingebaut.

Das kleine Bauwerk aus alten Eichenbalken ist einer Scheune nachempfunden und bietet Unterschlupf und Nistmöglichkeiten für eine Vielzahl von Gartennützlingen. Im Untergeschoss können Käfer und Eidechsen „einziehen“, in Heu und Stroh unter dem Dach Insekten überwintern und im übrigen Teil des Gebäudes Wildbienen nisten.

Mit viel Spaß, Sachverstand und handwerklichem Geschick kann so jeder Kursteilnehmer seinen individuellen Beitrag zur Gestaltung unserer Nützlingsarche beitragen.

Begleitend zu dieser praktischen Arbeit lernen die Kursteilnehmer aber auch, dass Nisthilfen allein die Schaffung von Lebensraum für die Bienen nicht ersetzt können.

Antworten auf häufig gestellte Fragen
Ein Kleingärtner, der unsere Kurse und insbesondere den Lehrbienenstand besucht, hat natürlich eine Menge Fragen. Das freut mich immer wieder, führt es doch regelmäßig zu lebhaften Diskussionen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einige Antworten auf Fragen meiner Kursteilnehmer schwerpunktmäßig zusammenfassen:

  • Bienen sind immer eine Bereicherung in der Anlage, vorausgesetzt das Miteinander und die Akzeptanz stimmen. Es ist für alle, Kleingärtner, Imker und Bienen, ein Zugewinn.
  • Eine Gefahr geht von Honigbienen grundsätzlich nicht aus. Der Imker sollte aber Berührungsängste abbauen helfen und sanftmütige Völker züchten.
  • Wie viele Bienenvölker passen in unsere Kleingartenanlage? Das kann aus der Ferne pauschal nicht beantwortet werden. Die Umgebung der Kleingartenanlagen, ihre Gesamtgröße, Anzahl der Einzelgärten, Beschaffenheit, die Akzeptanz durch die Gartennutzer und Besucher sind Faktoren, die zu berücksichtigen sind.
  • Imkerei und Wildbienenschutz in einer Kleingartenanlage bieten dem Verein die Möglichkeit einer ökologischen Ausrichtung und damit einer profilierten und positiven Außendarstellung. Denkbar sind in diesem Zusammenhang umweltpädagogische Projekte mit Kindern und Jugendlichen.
  • Ob Honigbienen oder Wildbienen, die Auseinandersetzung mit dem Wesen dieser Tiere macht sensibel für die Gestaltung und Bewirtschaftung eines naturnahen Gartens.

Egon Siebel, Imker