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01.09.2016

In 24 Stunden durch Berlin

Tag 1 des Besuchs der belarussischen Delegation

Irina Makarowa und Stefan GrundeiEin großes Dankeschön von Irina Makarowa an Stefan Grundei, Geschäftsführer des BDG, der die Gruppe den Tag über be­glei­te­te und wissensreich und unterhaltsam den (historischen) Spaziergang durch Berlins Mitte anführte.Mittwoch, 24. August 2016, Konrad-Ade­nau­er-Str. 1, Berlin. Pünktlich um 10.30 Uhr biegen die 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der belarussischen Delegation um die Ecke und versammeln sich vor dem Paul-Löbe-Haus. Werner Heidemann, Geschäftsführer des Landesverbandes Westfalen und Lippe, Stefan Grundei, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde (BDG) und Irina Makarowa, stellvertretende Leiterin des Rehabilitations- und Erholungszentrums für Kinder – NADESHDA – führen die Gruppe an. Tags zuvor um 6 Uhr morgens startete die Delegation in Minsk, legte um 23 Uhr einen Zwischenstopp zur Übernachtung in Poznan ein und weiter ging es abermals um 6 Uhr in der Früh Richtung Berlin.


Auftakt-Empfang bei MdB Oliver Kaczmarek

Für viele ist es zwar nicht der erste Besuch in Deutschland, aber der erste in der Hauptstadt. Und so ist ihnen statt Müdigkeit angesichts hochsommerlicher Tem­pe­ra­tu­ren von über 30 Grad vor allem die Freude auf einen ereignisreichen Tag an­zu­mer­ken.


Auftakt-Empfang bei MdB Oliver KaczmarekMdB Oliver Kaczmarek umringt von Dolmetscher Pavel Schwabowistch, Galina Poljanskaja (r.) und Irina Makarowa, die sich für den informativen Austausch mit einer Dokumentation über die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe bedankte.


Ein Gespräch mit Oliver Kaczmarek (SPD), seit 2009 Mitglied des Deutschen Bun­des­ta­ges für den Wahlkreis Unna I sowie Vorsitzender der Deutsch-Belarussischen Par­la­men­ta­rier­grup­pe im deutschen Bundestag, macht den Auftakt: Kaczmarek berichtet, wie er schon als junger Erwachsener begann, sich mit der deutsch-russischen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte zu beschäftigen: „Deutschland und Belarus, zu Deutsch Weißrussland, verbindet nach der schrecklichen Geschichte des Zweiten Weltkriegs heute ein Band der Solidarität.“ Auch die enge Verbindung, die der Landesverband Westfalen und Lippe der Kleingärtner seit vielen vielen Jahren zum Projekt NADESHDA für von der Tschernobylkatastrophe betroffene Kinder pflegt, hebt Kaczmarek hervor und dankt den westfälischen Kleingärtnern für dieses Engagement.

Hervorragend übersetzt von Dolmetscher Pavel Schwabowistch werden alle Fragen von Seiten der belarussischen Delegation und von Oliver Kaczmarek kompetent beantwortet. Dass Belarus als 48. Mitglied kürzlich in den Europäischen Hoch­schul­raum aufgenommen wurde, ist insbesondere für Galina Poljanskaja, Dozentin für Architektur an der Universität Minsk, von hohem Interesse. Eine Reise einer De­le­ga­tion der Deutsch-Belarussischen Parlamentariergruppe mit Oliver Kaczmarek nach Minsk ist für Oktober d. J. geplant. Ob es dann bereits zu offiziellen Kontakten mit dem Ministerium für Bildung kommen wird? Diese Frage muss Kaczmarek (noch) unbeantwortet lassen. Es gilt, die ins Haus stehenden Parlamentswahlen in Belarus abzuwarten.


Obligatorisch: ein Besuch der Reichstagskuppel


Paul-Löbe-HausWer arbeitet im Paul-Löbe-Haus, was passiert hier? MdB Oliver Kaczmarek berichtete den interessierten Besuchern aus Belarus davon auf dem Weg durch das Gebäude Richtung Reichstag.


Ein Besuch der Reichstagskuppel darf bei einer Stippvisite in Berlin nicht fehlen. So geht es mit einem kleinen Snack gestärkt unter der Führung von Oliver Kaczmarek direkt vom Paul-Löbe-Haus hinüber zum Reichstag. Pünktlich zum Mittag empfängt die Gruppe in der – nicht klimatisierten – Kuppel des Reichstagsgebäudes eine beeindruckende, lichtdurchflutete Architektur mit einem 360-Grad-Blick über das historische und jetzige Berlin. Waren schon zuvor die Fotoapparate und Mo­bil­funk­te­le­fo­ne im Einsatz, sind sie es jetzt umso mehr. Viele können es nach der langen Anreise noch gar nicht fassen, dass sie in Berlin sind – entsprechend häufig sind die Fotostopps auf dem Weg hoch zur Kuppel und auf der Dachterrasse des Reichstags.

Noch eine kurze Verschnaufpause und ein typischer Berliner Mittagsimbiss in Form von Currywurst und Pommes Frites, dann geht es weiter im Programm:


Historisches Sightseeing

Historisch sattelfest, wissensreich und unterhaltsam führt Stefan Grundei sodann den (historischen) Spaziergang vom Reichstag über das Brandenburger Tor, weiter zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas bis zum Berliner Gendarmenmarkt an, wo die Sightseeing-Tour endet.

Am Ausgangspunkt Brandenburger Tor – entstanden in den Jahren 1788 bis 1791 als architektonischer Abschluss der Berliner Prachtstraße „Unter den Linden“ – wird deutlich, wie das Baudenkmal im Lauf der Jahre zum politischen Denkmal und Symbol der Teilung von Ost- und Westberlin bzw. -Deutschlands wurde. Für fast drei Jahr­zehn­te, bis das Tor am 22. Dezember 1989 unter Jubel von Ost und West wieder geöffnet wurde.

Fragen, die vielen Berlinern nicht unbekannt sind, kamen am Denkmal für die ermordeten Juden auf; 2005 wurde es – nachdem bereits 1988 die Idee dazu angeregt wurde – eröffnet. Bereits im ersten Jahr kamen 3,5 Millionen Besucher. In der Reisegruppe fragte man sich auch „Welchen Sinn hat das Mahnmal, worauf verweist es?“ Architekt Peter Eisenmann selbst sagt, es sei ein Ort ohne bestimmte Bedeutung, so „Stadtführer“ Stefan Grundei. Und so ließ jeder die optischen und akustischen Erfahrungen beim Gang durch das Mahnmal, bestehend aus über 2700 Stelen, auf eigene Art und Weise auf sich wirken.

Die letzte Etappe führt weiter zum Gendarmenmarkt – wohl einem der schönsten Plätze Berlins, mit dem Konzerthaus eingerahmt von Französischem und Deutschem Dom.


Kreuzberger Nächte sind lang

Eine kurze Pause vergönnt war allen nach dem Einchecken im Hotel, das direkt gegenüber der Berliner Hasenheide lag, einem 50 Hektar großen Park, und nicht weit entfernt vom Kottbusser Damm mit heute hauptsächlich türkischen und arabischen Geschäften und einem regen Geschäfts- und Freizeitleben auf und an der sechs­spu­ri­gen Straße.

Zum Abendessen ging es zu Fuß vom Hotel in den Biergarten, wo noch bis spät in den Abend bei milden sommerlichen Temperaturen gegessen und das Wiedersehen gefeiert wurde. Ein Wiedersehen auch mit der Vorstandsmannschaft des Be­zirks­ver­ban­des Hamm-Krs. Unna, Rolf König, Peter Schulz, Gerhard Rohn und Michael Ludwig, die nach Berlin gereist waren, um die Gruppe auch auf der Weiterfahrt nach Lünen zu begleiten. Und mit Dr. Astrid Sahm stieß am späteren Abend die Vorsitzende der „Freunde von Nadeshda in Deutschland, Leben nach Tschernobyl e.V.“ hinzu.


Sylvia Stanulla und Irina MakarowaMit von der „Berliner Stadtpartie“ war auch Sylvia Stanulla, Geschäftsführerin beim Verlag W. Wächter, bei der sich Irina Makarowa für die Begleitung und die Unterstützung für NADESHDA bedankte. Beide waren sich in Belarus und Lünen schon begegnet und freuten sich herzlich über das Wiedersehen.


Nicht nur das Wiedersehen wurde gefeiert –  es gab viel Neues zu berichten und zu erfahren über die positiven Entwicklungen im Kinderzentrum NADESHDA, das inzwischen Kontakte geknüpft hat weit über die Grenzen von Belarus hinaus – Irina Makarowa steht inzwischen im Kontakt und Erfahrungsaustausch mit Ver­ant­wort­li­chen in Fukushima. Dies zeigt, wie anerkannt die Arbeit von NADESHDA international ist – und wie wichtig die Unterstützung des Kinderzentrums z.B. durch die Aktion „Taten statt Weihnachtskarten“ nach wie vor ist.

Bis nach Mitternacht dauerte der gemeinsame Abend an – wie lang die eine oder der andere Gast aus Belarus Kreuzberg noch individuell erkundet hat, ist nicht über­mit­telt. Pünktlich zur Abfahrt des Busses am 25. August um 9:30 Uhr aber waren wieder alle 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Stelle und machten sich zusammen auf den Weg zur Landesschule in Lünen.

Sylvia Stanulla, Geschäftsführerin, Verlag W. Wächter