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11.05.2016

Der Mensch ohne Garten nicht vorstellbar

Interview mit Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen)

Am Rand der Mitgliederversammlung nahm sich Johannes Remmel Zeit für ein paar Fragen vom „Gartenfreund“.

Sie haben viele Projekte der Kleingärtner positiv hervorgehoben. Können die Kleingärtner sicher sein, dass die Förderung für diese Projekte konstant bleibt?

Das ist natürlich immer eine Entscheidung des Parlaments. Niemand kürzt gerne bei den ‚freiwilligen Leistungen’. Das Parlament hat eindeutig gesagt: Wir wollen eine konstante Förderung und auch noch etwas drauf legen. Das unterstütze ich auf jeden Fall, weil die Arbeit der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner höchst lobenswert ist.

Sie hatten die Delegierten dazu aufgerufen, offener für die neuen Gartenformen zu sein, da die Grenzen zum sogenannten „Urban Gardening“ fließend seien. Wo gibt es Ihrer Meinung nach Überschneidungen vom „Urban Gardening“ mit dem Klein­gar­ten­we­sen?

Alle verbindet, dass sie gärtnern und Parzellen für den Ernährungsanbau nutzen. Das sind Menschen, die sich über ihre Ernährung Gedanken machen und deswegen gärtnern. Im Prinzip ist das der gleiche Antrieb, aus dem Kleingartenanlagen ent­stan­den sind. Das waren Leute, die vom Land in die Stadt gekommen sind, aber den Bezug zum Boden nicht verlieren wollten.

Warum sollten nicht erfahrene Gärtnerinnen und Gärtner ‚grünen’ Jungs und Mädels etwas beibringen können? Da gibt es bestimmt viel auszutauschen. Ich glaube, dass sich das gut miteinander verträgt.

Können die Projekte des „Urban Gardenings“, die ja auch zahlenmäßig weit unter denen des Kleingartenwesens liegen, die gleichen sozialen und ökologischen Leis­tun­gen wie die der Kleingärtner bieten?

Mit Sicherheit nicht, aber es kann Anstöße geben, neue Trends im Kleingartenwesen aufzunehmen. Muss es z.B. immer die eigene Hütte sein, die auf der Parzelle steht, oder kann man nicht auch Gemeinschaftsgärten nach vorne bringen? Wichtig ist es, den Trend nicht außer Acht zu lassen: 2050 werden weltweit gut 70 % der Menschen in großen Megastädten leben. Ich bin mir sicher, diese großen Städte werden nur Bestand haben, wenn es  viel Grün oder Gärten in der Stadt gibt – in welcher Form auch immer. Den Menschen ohne Garten kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“