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19.09.2014

Kleingärten als Beitrag zum Stadtmarketing

Kleingärten als Beitrag zum Stadtmarketing

Der Antwort auf die Frage, ob und in wieweit Kleingärtner und Kleingärten positiv zum Stadtmarketing beitragen können, soll zunächst eine Begriffsbestimmung voran gestellt werden. Stadtmarketing ist gemäß Wikipedia „ein Instrument, um dem drohenden Verlust der Konkurrenzfähigkeit im Wettbewerb der Städte zu begegnen.“ Dabei betrachtet man die Stadt als Produkt. Dieses Produkt, diese „Ware“ soll attraktiver werden, sowohl nach innen – also bei den Bewohnerinnen und Bewohnern – als auch nach außen, um mehr Besucher und Kunden aus dem Umland anzuziehen.


Öffentliche Feste in Kleingartenanlagen sind Stadtmarketing: großer Andrang beim traditionellen „Dicke-Bohnen Essen“ im Kgv. „Arbeit und Freude“.


Diese Aufgabe stellt sich aber nicht nur den kommunalpolitisch Verantwortlichen in den Räten und Verwaltungen, sondern eben auch den örtlichen Akteuren in Gastronomie, Hotellerie, dem Einzelhandel, der Wirtschaft allgemein und eben auch allen, die zusammen für das Aussehen und das Auftreten der Stadt sorgen. Gemeinsames Ziel aller Be­mü­hun­gen ist dabei u.a. die Steigerung der Attraktivität der Stadt als Wirtschafts-, Wohn- und Einkaufsstandort sowie als touristische Destination. Dazu zählen auch die Schaffung und Erhöhung eines überregionalen Bekanntheitsgrades, die Steigerung der Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt sowie die grundsätzliche Verminderung städtischer Probleme und die Steigerung der Zufriedenheit der Einwohnerinnen und Einwohner.

Kleingärtner sind Motor des Stadtmarketings in Oer-Erkenschwick
Vor diesem Hintergrund beantwortet sich die Eingangsfrage beinahe schon von selbst. Kleingartenanlagen tragen als Teil der städtischen Infrastruktur maßgeblich zur Ver­bes­se­rung der Lebens- und Wohnqualität bei. Lebendige Kleingärten und aktive Kleingärtner helfen somit tatkräftig mit, das „Produkt“ Stadt lebenswerter und attraktiver zu machen, und zwar gleichermaßen für die Wohnbevölkerung als auch für Besucher und Investoren. Damit sind Kleingärtner nicht nur „natürliche“ Partner des Stadtmarketings, sondern gehören zu dessen Motoren. Das können praktische Beispiele aus Oer-Erkenschwick anschaulich verdeutlichen.

Oer-Erkenschwicks Kleingärtner sind seit fast sieben Jahrzehnten im Verein „Arbeit und Freude“ organisiert. Der Verein und seine Mitglieder haben sich in dieser Zeit von einer ursprünglich auf reine Selbstversorgung mit Obst und Gemüse ausgerichteten In­te­res­sen­ge­mein­schaft weiterentwickelt und nehmen heute vielfältige öffentliche Aufgaben wahr, die allesamt der Stadt und ihren Einwohnerinnen und Einwohnern zugute kommen.

In den Kleingärten werden der Natur entwöhnte Menschen wieder an die Natur he­ran­ge­führt. Die Wissens- und Erlebnisvermittlung, wie sie hier bei „Arbeit und Freude“ in den vergangenen Jahrzehnten so erfolgreich praktiziert wurde, hatte stets zum Ziel, bei möglichst vielen Bürgern die Einsicht zu wecken, Verantwortung für die Schöpfung wahrzunehmen und einzuüben. Hier in der Kleingartenanlage können sie die Natur beobachten und praktisch mit ihr umgehen. Aus der Beobachtung erwachsen Kenntnisse über natürliche Zusammenhänge, über den pfleglichen Umgang mit Boden, Wasser, Luft, Energie, Pflanzen und Tieren. Aus der Kenntnis erst entsteht die Bereitschaft, sich für den Schutz und die Pflege unserer Umwelt einzusetzen.

Heute spielt der Selbstversorgungsgedanke zwar immer noch eine Rolle, aber auf eine andere Art und Weise. Denn viele Kleingärtnerinnen und Kleingärtner schätzen es, ihr Obst und Gemüse biologisch anzubauen, um sich gesund zu ernähren. In Zeiten, in denen ein Lebensmittelskandal den anderen ablöst, ist es schließlich nicht hoch genug zu bewerten, wenn man weiß, was man isst. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich unser Klein­gärt­ner­ver­ein „Arbeit und Freude“ auch sehr aktiv und erfolgreich für den Natur- und Umweltschutz einsetzt und die Anlage inzwischen ein Rückzugsgebiet für gefährdete Tier- und Pflanzenarten geworden ist.

Allerdings spielt im Kleingärtnerverein „Arbeit und Freude“ nicht nur die Gartenarbeit oder die Erholung im Freien eine gewichtige Rolle. Zwar erfüllt das Vereinsgelände eine bedeutsame Funktion im innerstädtischen Grün- und Freiflächensystem und trägt damit auch in erheblichem Umfang zur Verbesserung der Lebens- und Umweltverhältnisse in Oer-Erkenschwick bei. Aber darüber hinaus hat sich unser Kleingärtnerverein auch als Zusammenschluss bürgerschaftlich engagierter Mitbürgerinnen und Mitbürger als bedeutender Faktor im gesellschaftlichen Leben unserer Heimatstadt etabliert.

Vereinsaktivitäten von „Arbeit und Freude“ im Veranstaltungskalender der Stadt
Im jährlichen Veranstaltungskalender der Stadt haben die Vereinsaktivitäten einen festen Platz eingenommen und erfreuen sich übers Jahr hinweg großen Zuspruchs vonseiten der Bevölkerung. Beim Verkauf des selbst produzierten Sauerkrauts stehen die Kunden Schlange. Das Sommerfest oder das traditionelle „Dicke-Bohnen-Essen“ oder auch der Verkauf frischer Reibekuchen ziehen regelmäßig große Besucherströme an, und wer außer leiblichen Genüssen auch den schönen Künsten zugeneigt ist, konnte hier im Garten schon eine wirklich gelungene Kunstaktion mit örtlichen und auswärtigen Künstlern erleben, die auf überaus große Resonanz gestoßen ist.

Aber die Kleingärtner von „Arbeit und Freude“ sind nicht nur gute Gastgeber, sondern auch ebenso gern gesehene Gäste bei andern Vereinen oder städtischen Veranstaltungen. Der mobile Marktstand und die hausgemachten Spezialitäten bereichern nicht nur die Angebote auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auch beim Cityfest und ähnlichen Anlässen. Un­ver­ges­sen ist der farbenfrohe Auftritt der Vereinsfamilie beim Festumzug anlässlich des 50-jäh­ri­gen Stadtjubiläums.


Alle Partnerstädte von Oer-Erkenschwick sind auf der Freundschaftswiese in der Kleingartenanlage vertreten: North Tyneside (GB), Halluin (FR), Kocevje (Slowenien), Oba (Türkei) und unsere Hauptstadt Berlin. Die Kleingärtner pflegen die Freund­schafts­wie­se, und Gäste aus nah und fern besuchen sie.


Da über alle diese Aktivitäten auch in der regionalen und zum Teil sogar in der überregionalen Presse ausführlich berichtet wird, haben die Mitglieder von „Arbeit und Freude“ auch maßgeblich dabei mitgeholfen, den Bekanntheitsgrad unserer Stadt zu erhöhen, und umgekehrt nutzt die Stadt nur allzu gerne den Bekanntheitsgrad des Kleingärtnervereins zur Eigenwerbung. Ganz entscheidend dazu beigetragen hat dann auch noch die sehr erfolgreiche Teilnahme des Vereins am Landes- und Bundeswettbewerb in den Jahren 2005 und 2006. Die Urkunden zur Verleihung der Goldplakette im Wettbewerb „Gärten in NRW“ und die Silbermedaille im Wettbewerb „Gärten im Städtebau“ hängen auch nicht ohne Grund im Oer-Erkenschwicker Rathaus direkt neben der Tür zum Bürgermeisterbüro.

Und treffender, als es NRW-Umweltminister Eckard Uhlenberg in seiner Laudatio anlässlich der Preisverleihung im September 2005 formulierte, kann man den Wert unserer Kleingärtner für ein erfolgreiches Stadtmarketing nicht zum Ausdruck bringen: „Mit ‚Arbeit und Freude’ hat sich eine Kleingartenanlage präsentiert, die sich in hohem Maße für die Bürgerinnen und Bürger der Region engagiert und von der neue Impulse ausgehen. Mit einem abwechselungsreichen und qualitativen Potenzial – sei es die Attraktivität der Gemeinschaftsflächen oder die liebevoll gepflegten Einzelparzellen – ‚Arbeit und Freude’ unterstützt Oer-Erkenschwick nennenswert dabei, sich als kleine Stadt am Rande des Ruhrgebiets zu einer aktiven Freizeitstadt zu entwickeln. Diese Gesamtleistung ist Gold wert.“

Vor diesem Hintergrund ist es nahezu selbstverständlich, dass „unser“ Kleingärtnerverein auch einen festen Platz im offiziellen Internetauftritt der Stadt Oer-Erkenschwick hat. Von der Startseite www.oer-erkenschwick.de wird man durch einfachen Mausklick auf das Vereinslogo direkt auf die Homepage des Kleingärtnervereins weitergeleitet!

Dipl. Ing. Bernd Immohr,
Technischer Beigeordneter
der Stadt Oer-Erkenschwick