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12.07.2013

Neues aus dem Lehr- und Lerngarten

Wir alle lernen! Bei der Gestaltung des Lehr- und Lerngartens 1996 wurden auch Apfelbüsche zwischen den beiden Holzlauben und ein Birnenhochstamm auf die Rasenfläche neben den Lauben gepflanzt. Wir alle waren stolz und freuten uns, unterschiedliche Obstbaumformen vorstellen zu können und Schnitt- und Pflegemaßnahmen praktisch zu zeigen. Die Pflanzen wuchsen und entwickelten sich. Sie dienten als Lehr- und Lernobjekte für viele Fachberaterinnen und Fachberater.

Nach etwa zehn Jahren geschah aber etwas: Die Apfelbüsche wurden anfällig gegen tierische und pflanzliche Schädlinge. Sie begannen zu vergreisen, und der Jahreszuwachs verringerte sich zusehends. Die Fruchtentwicklung verschlechterte sich, und der Ertrag ließ nach. Am Ende hörten wir von den Lehrgangsteilnehmern: „Naja, sie taugen ja noch als schlechte Beispiele.“

Was waren die Gründe hierfür?
Der aufgeschüttete Boden hatte sich im Laufe der Jahre zunehmend verdichtet. Die Apfelbüsche hatten ein derartiges Volumen erreicht, dass an diesem Standort, zwischen den Lauben, kaum noch eine Durchlüftung der Pflanzen möglich war. Die Bodenbedingungen führten dazu, dass die Nährstoffaufnahme sich verringerte, somit das Wachstum stockte und eine Vergreisung einsetzte. Die schlechte Durchlüftung führte zu einem verstärkten Schädlings- und Krankheitsbefall.

Ähnliches geschah mit dem Birnenhochstamm. Die Baumform Hochstamm bildet bei der Birne eine sehr tief in den Untergrund gehende Wurzel. Auch hier war durch den tonigen Untergrund sehr schnell ein Verdichtungsbereich im Boden erreicht, und der Baum stockte im Wachstum, hatte kaum noch einen Jahrestrieb und war krankheitsanfällig.

Was konnten wir nun tun?
Wir diskutierten unterschiedliche Möglichkeiten. Welche Pflanzen können sich an diesen Standorten entwickeln? Welche Pflanzen ergänzen und erweitern unsere Schulungsthemen?

Wir ersetzten den Birnenhochstamm durch einen Apfelhochstamm. Das Wurzelwerk des Apfels erreicht nicht die tiefer gelegenen verdichteten Bereiche. Die Wurzeln verbleiben in dem für den Apfel günstigen Bereich. Wir können also weiterhin den Hochstamm als Baumform zeigen und damit auch Möglichkeiten für Obstwiesenanlagen und -pflege erläutern.

Etwas intensiver mussten wir uns mit der Fläche zwischen den Lauben befassen. Wir entschieden uns für die Erweiterung unseres Beerenobstsortiments. Die Heidelbeere mit ihren unterschiedlichen Formen wird nun gezeigt. Als höheres Element wurde die aus dem amerikanischen Bereich stammende Kulturheidelbeere ausgewählt. Sie wird ca. 120 cm hoch, trägt sehr gut und liefert große, gut ausgefärbte Früchte.

Die dekorativen Blüten der aus Amerika stammenden Kulturheidelbeere (Vaccinium corymbosum) erscheinen im Mai mit dem Blattaustrieb.
Ergänzend als Unterpflanzung entschieden wir uns für die eurasische Heidelbeere, einen Kleinstrauch, der gute, geschmackvolle Früchte liefert. Diese Obstart eignet sich, ebenso wie die Preiselbeere, hervorragend als Bodendecker. Mit dieser Pflanze schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir haben eine gut bewachsene Bodendeckerfläche, die zusätzlich leckeres Obst liefert.

Die eurasische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) ist ein Kleinstrauch, der auch als Bodendecker geeignet ist.
Durch diese Veränderungen ist es gelungen, das Lehr- und Lernangebot für den Obstbaubereich an unserer Landesschule weiterzuentwickeln und zu vergrößern. Unser Lehr- und Lerngarten ist immer Veränderungen unterworfen und lohnt auch häufigere Besuche, zu denen wir alle interessierten Gartenfreundinnen und Gartenfreunde herzlich einladen.

Wilhelm Spieß,
Landesverbandsvorsitzender