Deutsch
DeutschAktuellesNewsStudie zur Leerstandsproblematik
23.01.2014

Studie zur Leerstandsproblematik

Auf Vorstandsratssitzung im Herbst ging es um Kleingartenanlagen in strukturschwachen Regionen

Mit der aktuellen Studie zur „Leerstandsproblematik in Kleingartenanlagen in strukturschwachen Regionen“ und den „Leitlinien des Deutschen Städtetages zur nachhaltigen Entwicklung des Kleingartenwesens in den Städten“ befassten sich die Mitglieder des Vorstandsrates auf der Herbsttagung am 29. und 30. November 2013 in der Landesschule in Lünen. Landes verbandsvorsitzender Wilhelm Spieß und Geschäftsführer Werner Heidemann gingen dabei eingangs in ihren Kurzreferaten auf wichtige Inhalte, Aussagen und die aus ihrer Sicht Stärken und Schwachpunkte dieser Studie ein.

Diese Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) bezieht sich auf das vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) organisierte Kleingartenwesen. Sie konzentriert sich räum lich weitgehend auf strukturschwache Regionen mit Städten und Gemeinden, die von Schrumpfungsprozessen betroffen sind.

Durch Befragungen der jeweiligen Landesverbände, der zuständigen Landesministerien und von 116 ausgewählten Kommunen flossen so flächendeckend repräsentative Informationen in die Studie ein.

Vom Nachfragerückgang und Leerstand bei Kleingärten sind insbesondere die östlichen Bundesländer (ohne Berlin) betroffen. Berücksichtigt man zusätzlich noch wirtschaftsstrukturelle Indikatoren, sind 90 % der ostdeutschen Regionen als schrumpfend einzuordnen. Westdeutsche Regionen schneiden hierbei wesentlich besser ab: Schrumpfungsprozesse treten nur vereinzelt auf.

Ein weiterer Faktor ist die Kleingartendichte: In den östlichen Bundesländern (ohne Berlin) befinden sich mehr als 50 % aller Kleingärten, aber nur 15 % der Gesamtbevölkerung in der Bundesrepublik leben dort.

Fazit: Ca. 85 % der leer stehenden Gärten befinden sich in den östlichen Ländern (ohne Berlin).

Empfehlungen der Studie
Durch gezielte Maßnahmen, Aktionen und Projekte versuchen die regionalen Kleingärtnerorganisationen mit großem Engagement aus dem Leerstand resultierende Probleme zu meistern. Die Studie gibt einige Empfehlungen dazu, wie einem sich entwickelnden oder bestehenden Leerstand Paroli geboten werden kann. Werner Heidemann bezeichnete diese Studie als „eine gute Bestandsaufnahme mit einseitigen Empfehlungen“ (siehe auch Artikel im Fachberater, Ausgabe November 2013). „Als bundesweite Bestandaufnahme kann sie sich sehen lassen und ist in dieser Form sicherlich einmalig. Was fehlt sind mutige Empfehlungen.“

Die in der Studie aufgeführten Empfehlungen – wie Informations- und Erfahrungsaustausch, Beratung intensivieren, Leerstandsentwicklung beobachten und analysieren, Finanzierungslösungen finden oder offensives Marketing und Kooperationen auf vielen Ebenen weiter zu führen – richten sich fast ausschließlich an die kleingärtnerischen Organisationen. Nach dem Motto: Sie sollen es richten. „Der Bund hält sich raus und tut so, als sei das Kleingartenwesen eine Privatangelegenheit der kleingärtnerischen Organisationen“, kritisiert Heidemann hierzu eindeutig im Einklang mit dem Landesverbandsvorsitzenden Wilhelm Spieß.

Die aufgeführten Schwierigkeiten in den Kleingartenanlagen sind ein gesamtgesellschaftliches Problem und bedürfen grundsätzlich politischer Unterstützung. Der BDG hat seine „Schularbeiten“ gemacht, viele Anregungen gegeben, Projekte und Maßnahmen an gestoßen.

Mehr als bisher schon benötigen Kleingartenanlagen als fester Bestandteil des Stadtumbaus und Stadtquartiers öffentliche Förderung im Dreiklang durch Kommune, Land und Bund, lautet die Forderung unseres Landesverbandes an die Adresse der Regierungen.

Kein Leerstand in Westfalen-Lippe
Entsprechend eingestimmt und informiert konnten sich bei der Herbsttagung des Vorstandsrates 2013 drei Arbeitskreise unter der Leitung von Gregor Schweins, Kreis Warendorf, Hans Günter Cremer, Hagen, und Rolf Gesterkamp, Lünen-Lüdinghausen-Selm, an eine Aufarbeitung und die Entwicklung eigener Empfehlungen begeben. Intensiv und engagiert wurde in den Arbeitskreisen diskutiert und dabei die Gesprächsergebnisse formuliert.

Kurze Lagebesprechung des Landesverbandsvorsitzenden Wilhelm Spieß mit den Leitern der drei Arbeitsgruppen (v.l.) Hans-Günther Cremer, Bzv. Hagen, Rolf Gesterkamp, Bzv. Lünen-Lüdinghausen-Selm, Georg Schweins, Bzv. Kreis Warendorf

Übereinstimmend konnten die AK-Leiter im anschließenden Plenum des Vorstandsrates erfreut mitteilen, dass es im Bereich unseres Landesverbandes keine strukturellen Leerstände gibt. Im Gegenteil! Teilweise ist eine gesteigerte Nachfrage feststellbar, es existieren sogar Wartelisten.

Wenige negative Beispiele erklären sich durch schlechte Außendarstellung des jeweiligen Vereins, ein zu hohes „Preisniveau“ für die Parzelle oder topografische Nachteile.

Gezielt die Zukunft gestalten
Eventuell auftretender künftiger Leerstandsproblematik in unserem Verbandsbereich muss rechtzeitig, ja sogar jetzt schon, durch wirksame Vorbeugungsstrategien oder Maßnahmen entgegengewirkt werden. Die Kleingartenbedarfsplanung in den Kommunen bedarf der Anpassung an den demographischen Wandel. Umbau und Sanierung von Altanlagen rücken immer mehr in den Vordergrund, entsprechende Entwicklungs- und Pflegekonzepte müssen geschaffen werden, um die Anlagen attraktiver zu gestalten. Neue Pachtmodelle, wie Mietergärten oder flexiblere Parzellenangebote (kleinere Gärten), können vor allem junge Familien in die Kleingärten locken.

Die Außendarstellung und die damit verbundene Außenwirkung der Vereine ist maßgeblich für eine gute Bewerbersituation. Durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen, wie Sommerfeste, Weihnachtsmärkte, Gartenwettbewerbe, gemeinsame Projekte mit Schulen, Kirchen, anderen Vereinen und Verbänden, kann manches Positive für den Verein erreicht werden. Engagierte Öffentlichkeitsarbeit, dazu gehören sowohl die gute Zusammenarbeit mit der Presse, die Pflege von Kontakten zu Politik und Verwaltung als auch die stetige Präsentation des Vereins für die Bürgerinnen und Bürger in ihrer Kommune, zahlt sich aus und genießt hohe Bedeutung.

Immer mehr rückt dabei das Internet in den Vordergrund: Eine gut gestaltete Homepage ist für die Mitgliederwerbung und Außendarstellung des Vereins inzwischen unverzichtbar.

Michael Schöneich,
Pressebeauftragter des LV
Westfalen und Lippe