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Eine Stadt im Wandel
Dortmund ist nach der Einwohnerzahl die größte Stadt des Ruhrgebietes und hat beim Strukturwandel seinen Tiefpunkt durchschritten. Neue, zukunftsfähige Branchen haben sich etabliert und sind aus den ersten Ansätzen zu einer strukturwirksamen Größe angewachsen. Entgegen dem allgemeinen Trend der Stadtflucht - zumindest in den Großstädten - hält sich die Bevölkerungszahl in Dortmund nahezu stabil. Strukturelle, soziale und demografische Veränderungen in einer Stadt haben zwangsläufig auch Einfluss auf die städtebauliche Entwickelung. Vor diesem Hintergrund beschloss der Rat der Stadt einen neuen Flächennutzungsplan aufzustellen um somit die voraussehbaren räumlichen Nutzungsansprüche gegeneinander abzuwägen. Dabei stehen alle Nutzungsansprüche und damit auch die Dauerkleingartenanlagen in Bestand und Planung zur Disposition.
Neue Argumente pro Kleingärten?
In der Vergangenheit wurde der Status "Dauerkleingartenanlage" mit den üblichen Argumenten wie Grünnutzung, hoher Naherholungs- und Freizeitwert, attraktives Grün u. a. gerechtfertigt. Haben diese Argumente auch für die Zukunft Bestand? Um hierzu aktuelle und gesicherte Aussagen zu erhalten, regte der Regiebetrieb Stadtgrün (das ehemalige Grünflächenamt) an, durch eine unabhängige repräsentative Meinungsumfrage Grundlagendaten zu erheben, die die bekannten Aussagen zur Notwendigkeit von Kleingärten untermauern oder möglicherweise auch nicht. Diese Anregung fiel beim Stadtverband Dortmunder Gartenvereine e. V. auf fruchtbaren Boden. Da seitens der Stadt Dortmund aus dem Haushalt keine Finanzierungsmöglichkeiten vorhanden waren, beschloss der erweiterte Vorstand des Stadtverbandes die Finanzierung zu übernehmen und auch gleichzeitig das Image der Kleingärten und ihrer Pächter hinterfragen zu lassen. So beauftragte der Stadtverband die renommierte Dortmunder Agentur " bild-werk" mit einer repräsentativen Umfrage im Dortmunder Stadtgebiet zum Thema "KLEINGÄRTEN". Ein umfangreicher Fragebogen wurde gemeinsam erstellt. Im November 2002 und im April/Mai 2003 fanden die Befragungen statt.
Jeweils zwei Interviewer befragten Frauen und Männer, die nicht Kleingartenpächter sind, mit Hilfe eines strukturierten Interviews. Die Daten wurden noch während des Interviews in die Befragungsbögen übertragen.
Ergebnisse auf einen Blick

Im Einzelnen auf jede Frage einzugehen, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Schlagwortartig hier die wichtigsten Aussagen der Befragten:
- 51,8 % fällt im Zusammenhang mit Kleingärten zuerst Erholung, Freizeit und Natur ein.
- 69,4 % sind Besucher von Kleingartenanlagen.
- 39,5 % nutzen Kleingartenanlagen zum Spazieren gehen.
- 20,9 % nutzen Kleingartenanlagen zur Pflege sozialer Kontakte.
- 26,5 % haben schon einmal daran gedacht, einen Kleingarten zu pachten.
- Von den Befragten, die selber schon einmal daran gedacht haben einen Kleingarten zu pachten, ist es für 18,8 % zu aufwendig und für 24,3 % der Interviewten zu teuer.
- 7,4 % gehen davon aus, dass es schwierig ist, einen Kleingarten zu pachten.
- Für 32,3 % ist die "Vereinsmeierei" und sind die "Spießer" besonders abschreckend, bei dem Gedanken einen Kleingarten zu pachten.
- 56,7 % sind bereit mehr als 30,00 € monatlich für einen Kleingarten zu investieren.
- Für 73,8 % sollte der Kleingarten ohne größeren Aufwand (ca. max. 2 km) erreichbar sein.
- 62,1 % gehen davon aus, dass es eher schwierig bzw. sehr schwierig ist, einen Kleingarten zu bekommen.
- 60,2 % schätzen den Nutzen durch Kleingärten für die Stadt Dortmund hoch oder sogar sehr hoch ein.
- 67,3 % möchten auf keinen Fall, dass Flächen, die bisher für Kleingärten gedacht waren, für eine andere Nutzung freigegeben werden.
- 83,8 % wissen, dass Kinder in Kleingärten gefahrlos spielen können.
Kleingärten - Grün für alle Bürger

Nun macht man eine solche Umfrage nicht, um geschmackvoll den Bücherschrank zu füllen, sondern zieht daraus Konsequenzen. Mit den vorliegenden wissenschaftlich ermittelten Ergebnissen kann man weiterhin - und jetzt erst recht - die breite Wohlfahrtsfunktion des Kleingartenwesens gezielt untermauern. Kleingartenanlagen sind "Grün für alle" und als weicher Standortfaktor im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt unerlässlich.
Konsequenzen und Aspekte
Hervorzuheben sind für die zukünftige Arbeit die folgenden Aspekte.
Die Gestaltung und Weiterentwicklung der Kleingartenanlagen muss kontinuierlich fortgesetzt werden und wird noch über einen längeren Zeitraum Verwaltung und Verband beschäftigen. Dies vor allem vor dem Hintergrund leerer Kassen und eines in einigen Stadtteilen erreichten Sättigungsgrades .So wird sich der Schwerpunkt der Arbeit auf die Umgestaltung und Anpassung der Anlagen an sich verändernde Erfordernisse verlagern. Dies muss jedoch im Rahmen der vorhandenen gesetzlichen Grundlage (Bundeskleingartengesetz, kleingärtnerische Nutzung) geschehen. Hier sind Kleingärtner, Verbände und Kommunen gefordert intelligente Lösungen zu finden. Der dritte Bereich, auf den ich noch eingehen will, ist die Imagepflege. Hierunter verstehe ich die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem "Spießertum", der "Reglementierung" . Eine wesentlich offensivere Aufklärung über die Modalitäten beim Pächterwechsel ist hier der absolute Arbeitsschwerpunkt. So müssen die Wertermittlungsrichtlinien und die Verhaltensweisen der Vorstände transparent dargestellt und beim Gartenwechsel berücksichtigt werden. Vor dem Hintergrund einer sich im Wandel befindlichen Gesellschaft und städtebaulicher Planungen, bietet diese Befragung eine wertvolle Hilfe für den Stadtverband und für den Regiebetrieb Stadtgrün bei den zukünftigen Diskussionen um die Notwendigkeit und den Erhalt der Kleingartenanlagen.
