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30.11.2019

Gärtnern mit und für Kinder – Bezirks- und Stadtverbandsfachberater wagen sich zusammen mit den Frauenfachberaterinnen auf ungewohntes Terrain

Gleich zu Beginn der Fachberatertagung in der Landesschule in Lünen verrieten einige skeptische Gesichter, dass dieses Thema „Gärtnern mit und für Kinder“ für die eher gartenfachlich orientierten Fachberater und Fachberaterinnen schon recht ungewöhnlich war. Doch das sehr praxisorientierte, kurzweilige Programm machte die Wochenendtagung vom 15. – 17.11.2019, zu der erstmalig neben den Bezirks- und Stadtverbandsfachberatern auch die Frauenfachberaterinnen geladen waren, zu einem anregenden, gewinnbringenden Event.

Aufmerksames Plenum beim Workshop Gärtnern für und mit KindernAufmerksame Teilnehmerinnen und Teilnehmer

 

Ein Eldorado für kleine Entdecker und Forschertypen

Die Veranstaltung begann am Freitag mit einem bildreichen Vortrag der Umweltpädagogin Sigrun Zobel, die ihre Arbeit im BUND- Naturerlebnisgarten Herten vorstellte. Dort entstand - mit viel Begeisterung, Phantasie und Engagement - seit 1998 auf einem ehemaligen Gelände der Zeche Schlägel & Eisen ein ca. 18.000 qm großes Außengelände mit Kräutergarten, Streuobstwiesen, essbaren Hecken, Kletterbäumen, Weidenspielgeräten, Feuerstellen, Tonteich etc.. Jährlich besuchen etwa 5000 Kinder und Jugendliche das Gelände und nehmen an diversen Umweltbildungsprojekten teil, die von insgesamt 4 Mitarbeitern angeboten und betreut werden. Es wir gemeinsam gesät, gepflanzt, geerntet, geschnippelt, gekocht und gegessen, Weidenspielgeräte und Steinmauern werden gebaut, die Wiesenmaht wird zu großen Kletterbergen aufgetürmt und mit viel Phantasie entstehen aus diversen Fundstücken neue Gebrauchsgegenstände oder Schmuckstücke u.s.w.. Die Kinder nähern sich dabei spielerisch den Themen Garten und Natur und werden zur intensiven Naturbeobachtung angeregt. Das Riechen, Fühlen und Schmecken sind ganz wesentliche Elemente der Arbeit vor Ort, um die Kinder zu begeistern. Wer mehr dazu erfahren möchte: www.bund-naturerlebnisgarten.de

Fachberater und die Schreberjugend sind gefragt

Am Samstagvormittag waren die Fachberater im Rahmen eines Workshops ganz direkt gefordert. Nachdem Thomas Mastjosthusmann zunächst die Stimmungslage der Fachberater anhand spezieller Karten spielerisch erfasst und aufgelockert hat, bekamen die in 5 verschiedene Gruppen aufgeteilten Fachberater die Aufgabe, einen ganz konkreten Projektnachmittag von 90 bis 120 Minuten mit 12 bis 15 Kindern zu konzipieren und zu organisieren. Die Gruppen mussten dabei ganz unterschiedliche aber durchaus realistische Vorgaben beachten. Beispielsweise hatte eine Gruppe 4 engagierte Mütter, die ihnen zur Seite standen, während eine andere Gruppe zwar ohne zusätzliche personelle Unterstützung auskommen musste, dafür aber ein deutlich größeres Budget bzw. ein großes, gut ausgestattetes Vereinsheim zur Verfügung hatte. Die am Ende vorgestellten Ergebnisse der Gruppenarbeiten waren ebenso vielfältig und phantasievoll wie die beteiligten Fachberater selbst. Vom Marmeladenkochkurs über die Schnippeldisco, großen Bastel- und Kartoffelstationen bis hin zur kindgerechten Wegeschildergestaltung war alles dabei. Die konkrete, praxisnahe Beschäftigung mit einem Kinderprojekt hat bei den Fachberatern zu zwei wesentlichen Erkenntnissen geführt. Einerseits erfordert ein gelungenes Projekt mit Kindern eine planvolle Vorbereitung, die alle Vorgaben wie z. B. Anzahl und Alter der Kinder, Anzahl der Betreuer, Jahreszeit, zur Verfügung stehende Räumlichkeiten oder finanzielle Mittel berücksichtigt. Andererseits ist so ein Projekt bei entsprechender Vorplanung tatsächlich realisierbar und nicht so kompliziert wie ursprünglich gedacht. Viele Teilnehmer waren am Ende des Workshops positiv motiviert und es ist zu hoffen, dass die eine oder andere Veranstaltung mit Kindern tatsächlich im eigenen Verein umgesetzt wird.

Hilfreiche Unterstützung bei der Umsetzung von kindgerechten Gartenprojekten bietet zudem die Deutsche Schreberjugend, die von Frau Dr. Jasmin Kluge eindrucksvoll vorgestellt wurde. Die Schreberjugend, weist ihrerseits ein vielfältiges Programm auf, zu dem u. a. Gruppenleiterseminare (JULEICA), Bastel- und Tanzgruppenaktionen und diverse nationale und internationale Veranstaltungen zählen. Ihre Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit und bei der Konzeptionierung konkreter Veranstaltungen stellt die Schreberjugend gerne den Gartenfreunden zur Verfügung. Bei Rückfragen kann man sich entweder an den nordrheinwestfälischen Landesverband der Schreberjugend wenden (derzeit zu erreichen unter landesverband.nrw@deutsche-schreberjugend.de) oder mit unserem Vorstandsmitglied und Schreberjugendbeauftragten Stefan Bevc Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen gibt es unter: www.deutsche-schreberjugend.de .

Erfolgreiche Projekte in Castrop-Rauxel und Oelde

Viele Gartenprojekte mit Kindern werden heute schon mit großem Erfolg umgesetzt. Besonders erfolgreich ist das von Stephan Bevc sehr engagiert vertretene Ferienprojekt „Eine faire Welt für Kinder“ des Bezirksverbandes Castrop-Rauxel/Waltrop. Dieses Projekt wurde im Sommer 2014 in enger Zusammenarbeit mit dem Eine Welt Zentrum Herne mit dem Ziel ins Leben gerufen, unser aller Konsumverhalten zu durchleuchten und den Kindern bewusst zu machen. Die Bildungsreferentin Angelika Pöppel, Stefan Bevc und viele aktive Kleingärtner versuchen den Kindern spielerisch zu zeigen, wo unsere Konsumgüter herkommen und wie unser Kaufverhalten das Leben der Kinder in den Produktionsländern und die Umwelt beeinflusst oder wie faire Preise entstehen. Im Rahmen des Projekts werden wichtige Fragen zum Konsumverhalten und zur Nahrungsmittelproduktion gestellt und kindgerecht beantwortet. Beispielsweise geht es um das Erkennen und Verarbeiten von Obst, die Herkunft von Kakao und Schokolade wird ergründet oder man geht mit den Kindern mit Hilfe einer Bananenpflanze auf eine detektivische Erlebnisreise rund um die gelbe Frucht. Die bei Kindern allseits beliebten Pommes eignen sich bestens dazu, sich mit dem Anbau und dem Weg der Kartoffel zu befassen, natürlich inklusive umfangreicher Kostproben.

Weitere erfolgreiche Aktionen sind in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen des nordrheinwestfälischen Förderprojekts „Kinder schaffen insektenfreundliche Gärten“ quasi aus dem Boden gestampft worden. Viele Kleingärtner haben in ihren Anlagen mit ihren eigenen Kindern oder auch in Kooperation mit Kindergruppen aus benachbarten Schulen und Kindergärten insektenfreundliche Gärten geschaffen und verwaiste Flächen kinder- und zugleich insektenfreundlich gestaltet. Auf der Fachberatertagung wurde beispielhaft der neu entstandene, insektenfreundliche Garten im Kleingärtnerverein Oelde-Kurenholt vorgestellt. Der Vereinsvorsitzende Gregor Schweins und die Rektorin der beteiligten Albert-Schweizer-Grundschule, Frau Tanja Barkey, schilderten anschaulich von der anfänglichen Skepsis der Kleingärtner und der späteren Begeisterung der beteiligten Kinder, Lehrer und Kleingärtner. Die gelungene Mischung aus Interesse, Beharrlichkeit, Engagement und echter Begeisterung führte zu einem erfolgreichen und für alle Seiten gewinnbringenden Projekt, dass im Mai 2019 von der nordrheinwestfälischen Umweltministerin, Frau Heinen-Esser feierlich eingeweiht wurde.

Intensive Workshoparbeit zum Thema Gärtnern für und mit KindernProjekte mit Kindern auf den Weg bringen – das wird in Arbeitsgruppen erörtert und angestoßen

 

Fazit

Alle Vorträge und Erfahrungsberichte haben deutlich gezeigt, dass die „Gartenarbeit zusammen mit Kindern“ zwar etwas mehr Vorarbeit erfordert, aber gleichzeitig auch für alle Seiten positiv und bereichernd ist. Es geht dabei um eine klassische Win-Win-Situation für Jung und Alt bzw. für gestandene Kleingärtner und neugierige, junge Menschen, die die natürlichen Kreisläufe erst einmal kennenlernen und erfahren müssen. Wer in die Arbeit mit Kindern investiert, der investiert in die Zukunft und erntet zudem als Gegenleistung viel Freude, Begeisterung, Interesse und
entgegengebrachtes Vertrauen.

Es lohnt sich in jedem Fall, Kinder frühzeitig an den Garten, an den Anbau von Obst und Gemüse oder an die Naturbeobachtung heranzuführen. Selbst wenn diese Kinder als Jugendliche kaum mehr für Garten und Natur zu begeistern sind, so lässt sich doch immer wieder Folgendes feststellen: Wer bereits in jungen Jahren die Scholle der Großeltern, Eltern oder Freunde kennen gelernt hat oder andere Garten- und Naturerfahrungen sammeln konnte, der ist auch im Erwachsenenalter besser „geerdet“ und findet schneller den Zugang zum eigenen Garten und zum eigenen Anbau von Obst und Gemüse.

Kinder sind offen, neugierig, interessiert und möchten begeistert werden. Man sollte sich ihren Forscherdrang zu Nutze machen und die Gartenthemen und Naturbeobachtung am besten spielerisch erarbeiten. Unterricht und reine Wissensvermittlung sind dagegen nicht angesagt. Zudem sind das Sammeln eigener Erfahrungen und die Arbeit mit den eigenen Händen besonders geeignet, um das Interesse der Kinder herauszufordern und Kenntnisse nachhaltig zu vermitteln. Erfahrungsgemäß ist in dieser Hinsicht das gemeinsame Ernten, Kochen und Verzehren der Speisen immer ganz besonders beliebt und auch das sehr geschätzte Mitbringsel für Zuhause darf auf keinen Fall fehlen.

Abschließend ist festzustellen, dass die anfängliche Skepsis vieler Teilnehmer in den allermeisten Fällen schnell verflogen war. Die anschaulichen Vorträge und Beispiele aus der Praxis wie auch der sehr konkrete Workshop haben den Teilnehmern sichtlich Spaß gemacht, viele neue Erkenntnisse und Ideen gebracht und den Einen oder Anderen auch ganz konkret zum Nachmachen angeregt.


Ulrike Brockmann-Krabbe, Landesfachberaterin