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25.03.2021

Neue Ideen zum Frühjahr

Lang gehegte Vorhaben naturnah verwirklicht

Der Winter ist eine hervorragende Zeit, größere Gestaltungsvorhaben im Lehr- und Lerngarten umzusetzen. Die grundsätzliche Idee war es, alte, bereits seit langem vorhandene Gartenbereiche wie die freiwachsende Gehölzhecke und ältere Insektenquartiere für die zukünftige Lehrgangssaison besser nutzbar zu gestalten. Beispielhaft sollten auch neue, naturnähere Lebensräume geschaffen werden.

Noch konnte der Spaten also nicht weggestellt werden. Neue Sträucher und Stauden mussten gepflanzt und umgepflanzt werden, Zaunpfähle eingebuddelt, und wie immer in den Monaten Dezember bis Februar kamen auch die Astschere und die Gartensäge zu ihren jährlichen Einsatzhöhepunkten.

Der bereits bestehende Gartenteil in der Nähe des Bienenhauses mit dem Nisthilfenquartier für Wildbienen und Nisträumen für Hummeln und Ameisen wurde teilweise mit einem Staketenzaun abgetrennt und aus der intensiven Pflege genommen. Hier soll der wöchentliche Einsatz des Rasenmähers durch einen einmaligen Sensenschnitt im Jahr ersetzt werden. Im Ergebnis wird sich eine naturnahe Staudenfläche mit Gräsern und Wildstauden, wie z.B. den schon vorhandenen Herbstastern, entwickeln.

Eine neue Biotop- und Lebensinsel

Im Übergang zum Flachwasserbereich des Teiches mit der dortigen dauerfeuchten Bodenstruktur werden zukünftig u.a. die einheimischen Wildstauden Wasserdost und Mädesüß einen neuen kleinen natürlichen Hochstaudenbereich bilden können. Die bereits vorhandene Ufervegetation soll sich daran anschließend ungestörter entwickeln. Hoffentlich werden dann die Sumpfdotterblumen und die Sumpf-Schwertlilien dauerhaft einen ökologisch stabilen, naturnahen Ufersaum bilden können, der möglichst wenig gärtnerische Eingriffe erfordert. Die Libellen und Frösche wird es freuen!

Was ist eigentlich eine Wildstaude?

Wildstauden mit ihrem oft natürlich und einfach wirkenden Charakter unterscheiden sich von den Kulturstauden dadurch, dass sie keine gärtnerisch ausgelesenen und gezüchteten Sorten sind. Die als Wildstauden verkauften Pflanzen entsprechen noch weitestgehend den in der freien Landschaft natürlich vorkommenden Pflanzen. Zu beachten ist, dass der Begriff Wildstaude grundsätzlich auch Pflanzen mit einbezieht, die ursprünglich nicht in Mitteleuropa vorkommen.

Heimische Wildstauden sind allerdings gegenüber den fremdländischen Arten für den naturnah gestalteten Garten zu bevorzugen. Viele ansässige Insekten sind genau an diese Pflanzen als ihre Hauptnahrungsquellen angepasst. Wenn es also die gärtnerisch-fachlichen Abwägungen zulassen, sollten in einem naturnahen Garten heimische Wildstauden bevorzugt gepflanzt werden.

Ein weiterer Teilraum des Gartens wurde rund um das Bienenhaus und den Bienenbaum (Tetradium) weiterentwickelt. Zunächst erfolgte ein starker Rückschnitt der vorhandenen Wildsträucher, und ein Großteil des Brombeerbewuchses wurde entfernt. Die bereits bestehende Vielfalt an einheimischen Strauchgehölzen wie Kreuzdorn, Schlehe, Gemeine Heckenkirsche und Pfaffenhütchen wurde anschließend u.a. ergänzt durch einige Wildrosen- und Weidenarten. Eine namentliche Beschilderung wird im Frühjahr folgen.

Heimische Gehölzvielfalt zum Anfassen

Zukünftig wird die neue Naturnähe auch durch einen zugelassenen Unterbewuchs mit Brennnesseln und Beinwell erreicht. Beide Arten können auch für die Erzeugung von Pflanzenjauchen und anschließend zur Düngung der Gemüsekulturen genutzt werden. Auch für einen Totholzhaufen als Versteckraum für viele Tierarten wird hier ein Platz gefunden werden. Dieser Bereich wird für eine praxisnahe Lehre zur Verfügung stehen. Unter anderem kann und soll der fachgerechte Rückschnitt von Sträuchern hier gezeigt und geübt werden.

Zwei neue Holzkomposter, hauptsächlich mit Laub gefüllt, vervollständigen die Umgestaltung. Der dann neu entstandene Laubkompost ist hervorragend geeignet zukünftig die Beerenobstbeete zu mulchen. Die Kompostbehälter werden dazu mit verschiedenen Laubarten gefüllt. Der niedrige pH-Wert des Eichen- und Walnusslaubkompostes wird für unser Kulturheidelbeerbeet zukünftig eine optimale Mulchauflage sein. Laubkompost, rechtzeitig im Jahr angelegt (bis Mitte November), kann auch ein hervorragender Überwinterungsraum für Igel sein! Dabei sollte für eine Zugangsmöglichkeit gesorgt werden! Hier verbindet sich vorbildlich der gärtnerische und ökologische Nutzen!

Mensch und Tier werden sich nach erfolgter Umgestaltung dieser Gartenräume hoffentlich noch wohler in unserem Lehr- und Lerngarten fühlen.

Stephan Grote, wissenschaftlicher Mitarbeiter