Wenn Konflikte mit Mitgliedern den Verein belasten: Ursachen, Risiken und notwendige Konsequenzen
Wenn Spannungen zunehmen, braucht es Orientierung, Konsequenz und Augenmaß.
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Im ersten Beitrag ging es um die Frage, wann Mitglieder als schwierig wahrgenommen werden und warum es wichtig ist, zwischen schwierigen Situationen und schwierigen Personen zu unterscheiden. Aufbauend darauf richtet dieser zweite Teil den Blick auf die Ursachen problematischen Verhaltens und auf die Folgen, die daraus für den Verein entstehen können.
Schwieriges Verhalten hat oft eine Vorgeschichte
Nur wenige Menschen werden als Querulanten oder Dauernörgler „geboren“. Hinter auffälligem Verhalten steckt fast immer eine persönliche Geschichte. Erziehung, Lebensumfeld und individuelle Erfahrungen prägen das Auftreten eines Menschen, auch im Verein.
Probleme entstehen häufig dann, wenn sich ein Mitglied nicht wahrgenommen oder nicht anerkannt fühlt. Viele ziehen sich in einem solchen Fall zurück oder verlassen den Verein. Andere reagieren mit Widerstand, Dauerprotest oder Provokation.
Hier ist ratsam genau hinzuschauen:
- War das Verhalten bereits vor dem Eintritt bekannt?
- Oder hat es sich erst im Laufe der Vereinszugehörigkeit entwickelt?
Der Verein ist nicht verpflichtet, jeden Antragsteller aufzunehmen. Zeigt sich problematisches Verhalten jedoch erst später, sollte versucht werden, die Ursachen zu erkennen und anzusprechen.
Gespräche führen und Verantwortung übertragen
Wenn ein Mitglied erst im Laufe der Zeit auffällig wird, kann ein klärendes Gespräch helfen. Zunächst intern, anschließend im direkten Austausch. Ziel sollte sein, deutlich zu machen, dass das bisherige Verhalten keinen Zugang zur Gemeinschaft ermöglicht und gleichzeitig Wege aufzuzeigen, wie Integration gelingen kann.
Oft wirkt es Wunder, einem solchen Mitglied eine Aufgabe zu übertragen. Verantwortung stärkt das Selbstwertgefühl und kann helfen, sich positiv in die Gemeinschaft einzubringen. Der Verein profitiert dann nicht selten von neuem Engagement.
Es gibt jedoch auch Menschen, die dauerhaft negativ auftreten. In diesen Fällen sind die Einflussmöglichkeiten begrenzt. Hier gilt: frühzeitig klare Grenzen setzen.
Wenn schwierige Mitglieder dem Verein schaden
Zum Schutz des Vereins: Grenzen setzen, bevor das Miteinander leidet.
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Besonders gefährdet sind neue Mitglieder. Sie werden durch ständiges Stören schnell abgeschreckt und verlassen nicht selten den Verein. Eine bewährte Möglichkeit ist es, neuen Mitgliedern ein erfahrenes Vereinsmitglied zur Seite zu stellen, das unterstützt und schützt.
Noch schwerer wiegt es, wenn verdiente, langjährige Mitglieder sich zurückziehen, weil das Vereinsklima vergiftet ist. Dann muss entschieden gehandelt werden. Der Verein darf nicht riskieren, engagierte Mitglieder zu verlieren.
In letzter Konsequenz kann ein Ausschluss gemäß den Satzungsbestimmungen notwendig sein.
Dabei ist jedoch stets zu prüfen, ob tatsächlich eine einzelne Person das Problem darstellt oder ob ungelöste sachliche Fragen im Raum stehen, die instrumentalisiert werden.
Konflikte offen klären und die Gemeinschaft bewahren
Ungeklärte Sachfragen bieten Nährboden für Konflikte und können großen Schaden anrichten. Spätestens dann ist es notwendig, die Themen offen im Verein anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Ziel bleibt immer, die Gemeinschaft zu schützen, das Vereinsklima zu erhalten und eine konstruktive Zusammenarbeit zu ermöglichen. Denn nur so kann Vereinsleben gelingen – im Kleinen wie im Großen, im Gespräch wie im gemeinsamen Tun.
Autor:
Rolf Rosendahl
Vorsitzender des Landesverbandes Westfalen und Lippe der Kleingärtner e.V.
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