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Lebendige Flechtzäune und Flechthecken im Kleingarten

© Stephan Grote

Flechtwerke aller Art, insbesondere solche aus Weidenruten, sind und waren im Garten weit verbreitet. Von Kunstfiguren über kleine Rutenzäune bis hin zu Weidentippis sind sie oft verwendete Gestaltungselemente. Früher hatten verflochtene, lebende Flechtzäune (Flechthecken) die wichtige Funktion, Gemüse- oder Obstgärten einzufrieden. Die Pfosten dieser Flechthecken sind lebendig und treiben entweder gesteckt als sich bewurzelnde Zweige (sog. Steckhölzer) oder als lebendige Pflanzen gepflanzt wieder aus. Die Austriebe werden dann in jedem Jahr erneut in die Hecke verflochten.

Heute bietet die Pflanzung von Flechthecken gerade in einem naturnahen Garten eine wunderbare Möglichkeit, Natürlichkeit und regionale Gartenkultur zu verbinden. Insbesondere in Eingangsbereichen von Kleingartenanlagen können sie ein optisch attraktives und naturnahes Gestaltungselement sein. Der Unterschied zwischen Flechthecken und Flechtzäunen
(auch Rutenwände genannt) besteht darin, dass bei dem lebendigen Zaun die eingeschlagenen Weidenpfosten (sog. Steher) anwachsen und austreiben sollen. Der Austrieb wird dann zum Teil wieder in die Hecke eingeflochten.

Beispiel Rutenwand 
© Stephan Grote

Bei der Auswahl des Standortes ist darauf zu achten, dass die Flechthecke überwiegend in voller Sonne errichtet wird und eine ausreichende Wasserversorgung vorhanden ist. Nur dann können die Pflanzen wachsen. Rutenwände, bei denen die Pfosten nicht austreiben, sind immer dort gegenüber einer Flechthecke vorzuziehen, wo die Weidenpflanzen mit angrenzenden Nutzpflanzen um Wasser und Licht konkurrieren, beispielsweise zur Begrenzung von Gemüsebeeten und an dauerhaft beschatteten Standorten.

3-Etagen-(2-Etagen)-Flechthecke aus Weidensteckhölzern

In diesem Artikel soll schwerpunktmäßig die Anlage einer Flechthecke als eine Kombination aus lockerer Rutenwand, ergänzt mit Weidensteckhölzern, vorgestellt werden. Bei dieser Variante, die als Etagen-Flechthecke bezeichnet wird, werden die Steckhölzer in regelmäßiger Reihenfolge auf zwei oder drei Höhenstufen im Zaun verteilt, sodass deren Kopfaustrieb immer wieder gleichmäßig auf der gleichen Zaunebene eingeflochten werden kann.

Nieheimer Flechthecke im 1. Jahr nach der Pflanzung

Vorbild für diese Bauart war die Nieheimer Flechthecke. Auch bei dieser historischen Landschaftshecke aus der Umgebung der Stadt Nieheim in Westfalen werden die Austriebe später in drei Ebenen eingeflochten (siehe Foto). Im Gegensatz zu der Nieheimer Flechthecke, bei der alle denkbaren Strauch- und Baumarten in die Flechthecke gepflanzt werden, werden bei dem hier vorgestellten Beispiel der Etagen-Flechthecke nur Weiden als lebende Gehölze in der Hecke verwendet.

Nieheimer Flechthecke im 1. Jahr nach der Pflanzung
© Stephan Grote

Für diese Hecke sind die Ruten der Purpur-Weide (Salix purpurea) besonders geeignet.
Diese Weidenart ist für größere lebende Weidenbauwerke im Garten, wie z. B. ein Weiden-Tipi, allerdings nicht geeignet. Sehr gut zu bekommen und auch gut zu verwenden sind Ruten der Silber-Weide (Salix alba). Diese Weidenart ist sowohl für größere Flechtbauwerke im Garten als auch für Flechtzäune gut geeignet. Die Silber-Weide ist in buntrindigen Sorten als Kopfbaum in Westfalen weit verbreitet. Es eignet sich am besten der einjährige Austrieb der Kopfbäume mit einem Durchmesser von maximal 3 cm.

Die Drei-Etagen-Flechthecke direkt nach der Pflanzung

Die Drei-Etagen-Flechthecke direkt nach der „Pflanzung“
© Stephan Grote

Als Erstes wird die Zaunlänge und -ausrichtung mit einer Schnur einseitig abgespannt. Anschließend wird zunächst die Grasnarbe bzw. der Bewuchs etwa spatenbreit flach abgetragen und dadurch eine flache Pflanzrinne geschaffen. Der Boden wird nicht weiter aufgelockert. Zur Stabilisierung der Flechthecke in den ersten Jahren wird nach jedem laufenden Meter ein Baumpfahl oder auch ein stärkerer, angespitzter Stämmling von Haselsträuchern (s. Video) bis auf etwa einen Meter Höhe eingeschlagen.

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Für das Stecken der Weidenruten wird mit einem Locheisen (Eisenstange) in Abständen von 35 cm zueinander (ca. 25 cm tief) vorgebohrt. Die Steckhölzer werden unten frisch schräg angeschnitten,
in das Loch geschoben und noch etwas mit einem Fäustel weiter in den Grund hineingetrieben. Dadurch wird der für die Wasserversorgung wichtige Bodenschluss endgültig hergestellt.
Die drei Höhen (Ebenen) werden nach dem Stecken durch Nachschnitt hergestellt.

Zum Schluss werden die drei Ebenen mit Weidenruten waagerecht vorgeflochten. Diese eingezogenen Ebenen können dann in den kommenden Jahren als Vorgaben für das Einflechten der Kopfaustriebe hilfreich sein. Es ist auch möglich, weitere Ruten einzuflechten, damit schon im ersten Jahr der Eindruck einer Rutenwand entsteht. Abschließend kräftig angießen und dann die Pflanzrinne mit Rindenmulch oder auch Holzhäcksel abmulchen.

Der beste Zeitpunkt für die Anlage der Flechthecke ist von März bis Anfang April an frostfreien Tagen. Der Schnitt der Ruten, insbesondere von Kopfbäumen, muss nach den Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 39) bis Ende Februar abgeschlossen sein. Für die Lagerzeit vom Schnitt bis zum Verbauen sollten maximal zwei Monate eingeplant werden. Es wird ein dauerhaft beschatteter Platz (z. B. auf der Nordseite von Gebäuden) ausgewählt und die Ruten z. B. mit Jutesäcken abgedeckt. Bei zu großer Nässe (bitte nicht im Wasser lagern) und Sonneneinstrahlung kann es zum unerwünschten vorzeitigen Austrieb von Wurzeln kommen.

Zwei-Etagen-Flechthecke vor dem Schnitt und dem Einflechten im Winter 
© Stephan Grote
Zwei-Etagen-Flechthecke mit schräg gesteckten Steckhölzern – Austriebe im Sommer eingeflochten
© Stephan Grote

Pflege von bestehenden Flechthecken und Weidenbauwerken

Für die Pflege von Flechthecken und anderen Weidenbauwerken hat es sich als günstig erwiesen, gut die Hälfte des jährlichen Neuaustriebes ab Ende Juni herauszuschneiden. Dadurch wird erstens das Wachstum der Hecke eingeschränkt und zweitens werden für das spätere Einflechten nicht alle Ruten benötigt. Falls nach dem ersten Schnitt die restlichen Ruten stören, das heißt im wahrsten Sinne im Weg sind, können diese auch direkt in die Hecke eingeflochten werden. Besser ist es allerdings, wenn man mit dem Einflechten bis in die Wintermonate wartet. Zu diesem Zeitpunkt sind die Ruten ausgereift und können leichter, ohne zu brechen und ohne Blätter, eingeflochten werden.

Flechthecken strukturieren auf hervorragende Weise naturnahe Gärten. Kein Material muss für ihren Aufbau gekauft werden, und es erfordert nur ein wenig organisatorisches Geschick, alles Benötigte zu besorgen. Dieses Gartenelement bei der Entstehung zu beobachten und es durch das aktive Einflechten zu unterstützen, schafft eine besondere emotionale Verbindung. Wer sich nicht zutraut, in seinem Garten oder auf Gemeinschaftsflächen der Kleingartenanlage eine Flechthecke zu pflanzen, kann und sollte zumindest darüber nachdenken, Zäune aller Art mit einjährigen Kletterpflanzen wie Kapuzinerkresse oder auch mehrjährigen Kletterpflanzen wie Geißblatt oder Wicken zu begrünen.
So wird auch der tote Zaun zum naturnahen Lebensraum und kleinen Biotop.

Grundsätzliches zum Stecken von Steckhölzern im Garten

  • Steckhölzer sind verholzte Triebe von Gehölze.
  • Beim Stecken ist die Polaritätsausrichtung im Strauch (oben/unten) beizubehalten, der untere Teil gehört in den Boden.
  • Zweige von Sträuchern wachsen wesentlich besser an als Zweige von Bäumen.
  • Der Zweig sollte möglichst jung, am besten einjährig, aber trotzdem vollständig ausgereift und steif sein (zu dünn ist schlecht).
  • Je tiefer die Hölzer in den Boden kommen, desto besser bewurzeln sie.
  • Der Schnittzeitpunkt sollte in voller Winterruhe liegen, optimalerweise zwischen Mitte Dezember und Ende Januar.
  • Dauerhaft beschattete und trockene Plätze sind nicht zum Stecken geeignet.

Eine besondere Variante der lebendigen Flechtzäune – die Rautenhecke
(Kreuzhecke oder auch Gitterhecke)

Rautenhecke aus Silber-Weiden-Steckhölzern im ersten Sommer
© Stephan Grote

Diese Variante kann sowohl aus Weiden-Steckhölzern als auch aus Jungpflanzen von Baumarten wie der Hainbuche oder der Weißen Maulbeere errichtet werden. Wer etwas ausprobieren möchte, kann versuchen, eine solche Hecke aus schwach wachsenden Apfelunterlagen, z. B. der Sorte M9, herzustellen.

Durch das Überkreuzen (einmal über und einmal unter) der Steckhölzer oder der Jungpflanzen mit möglichst vielen Kreuzungspunkten entsteht eine stabile Grundform mit rautenförmigen Fenstern.

Die Abstände der Ruten werden entsprechend der gewünschten Rautengrößen gewählt. Es hat sich bewährt, dass die Rautenhecke zunächst ein Grundgerüst aus Pfosten und waagerecht auf drei Höhen gespanntem Seil, z. B. aus Kokostrick, erhält. Für diese Art der Flechthecke haben sich insbesondere Steckhölzer der Purpur-Weide bewährt.

Ein Zusammenwachsen an den Kreuzungsstellen kann gefördert werden durch das Verknoten mit abgeschnittenen Seitentrieben (Geiztrieben) der Weide, die sich gut verknoten lassen. Gut geeignet sind Drahtkordeln (papierummantelter Bindedraht).

Autor:

Stephan Grote

Hauptamtlicher Fachberater

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