Umgang mit Saatgut im Kleingarten
Gut vorbereitetes Saatgut bewahrt Sortenvielfalt und schafft beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Gartenjahr.
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Der richtige Umgang mit Saatgut ist entscheidend für eine erfolgreiche Aussaat im nächsten Gartenjahr. Ein Samen besteht aus Samenschale, Nährgewebe und Keimling und dient der generativen Vermehrung der Pflanze. Manche sagen auch: „Samen sind die Glückspillen jedes Gärtners.“
Damit das so bleibt, sollten wir sorgsam mit ihnen umgehen. Denn Samen stehen im Kleingarten für Hoffnung, Potenzial und Vorfreude auf eine reiche Ernte.
Beim richtigen Umgang mit Saatgut kommt es vor allem auf Vorbereitung, Lagerung und Beschriftung an. Ebenso hilfreich ist es, eine Aufbewahrungsmethode zu wählen, die zu den eigenen Bedürfnissen und zur eigenen Gartenpraxis passt.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Saatgut noch keimfähig ist, können Sie dies vorab testen. Legen Sie eine abgezählte Menge Samen zwischen zwei Lagen Küchenpapier oder Papiertaschentücher und halten Sie diese etwa zwei Wochen gleichmäßig feucht. Keimen etwa drei Viertel der Samen, ist das Saatgut noch gut verwendbar. Die gekeimten Samen können vorsichtig entnommen und in eine Saatschale gesetzt werden.
Mit dem richtigen Vorgehen gelingt eine nachhaltige, sortenbewusste Saatgutpflege und damit eine vielfältige, gesunde Pflanzenauswahl für Ihr Gartenjahr.
Saatgut richtig vorbereiten
Bei selbst geerntetem Saatgut ist Folgendes zu beachten:
- Samen vollständig ausreifen lassen
- Nur bei trockenem Wetter ernten
- Reinigen (Fruchtfleisch, Spreu entfernen)
- Trocknen: 1–2 Wochen luftig und schattig bei Raumtemperatur, nicht in der Sonne
- Nur gesunde, sortentypische Pflanzen zur Saatgutgewinnung verwenden
Achtung: Die Samen von Kürbissen, Gurken und Zucchini können durch Rückkreuzung Cucurbitacin (einen Bitterstoff) entwickeln. Deshalb sollte das Saatgut dieser Kulturen besser gekauft werden.
Tipp: Einen ausführlichen Beitrag zur Saatgutgewinnung finden Sie im Beitrag "Blumensamen selbst gewinnen" von Ulrike Brockmann-Krabbe, auf unserer Website unter
www.kleingarten.de/verbandsnews/5675/blumensamen-selbst-gewinnen
Bei gekauftem Saatgut sollte man auf Folgendes achten:
- Originalverpackungen erst bei Bedarf öffnen
- Auf wichtige Angaben achten: Sorte bzw. Sortenname (gegebenenfalls Hybridstatus F1), Keimtemperatur und Keimdauer, Hinweise zur Kulturführung (z. B. Standort, Boden), Aussaatzeitraum
- Haltbarkeitsdatum beachten (häufig sind Samen darüber hinaus noch keimfähig, da die Angaben meist vorsichtig kalkuliert sind)
Die richtige Lagerung des Saatguts
Ordnung in der Saatgutbox: Trocken gelagerte Erbsen und Bohnen bewahren Vielfalt und Erntefreude im Kleingarten.
© Stephan Grote
Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Aufbewahrung ist, dass die Samen absolut trocken sind und nicht zu schimmeln beginnen. Dem sorgfältigen Trocknen sollte daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Haltbarkeitsdauer von Saatgut kann stark variieren
(siehe Kasten „Typische Haltbarkeitsdauer“).
- Trockenheit: Samen müssen vor dem Verpacken vollständig getrocknet sein, da sonst Schimmel entstehen kann.
- Luftdichtigkeit: Gläser mit Schraubdeckel oder Bügelverschluss sowie luftdichte Kunststoffbehälter oder -beutel schützen vor Feuchtigkeit und Sauerstoff. Sauerstoff beschleunigt die Alterung. Die Behälter müssen gut verschlossen sein, um Schwankungen der Luftfeuchtigkeit zu vermeiden. Feinere Samen werden zunächst in Papiertüten gefüllt und anschließend in die Behälter gelegt.
- Dunkel und kühl: Lagern Sie Ihre Saatgutbehälter an einem kühlen, dunklen Ort, zum Beispiel im Keller. Licht und Wärme lassen Samen schneller altern.
Eine ausschließliche Lagerung in Papiertüten bietet nur begrenzten Schutz vor Feuchtigkeit und Schädlingen. Für eine kurzfristige Aufbewahrung sind Papiertüten jedoch praktisch, atmungsaktiv
und gut geeignet.
Typische Haltbarkeitsdauer (bei guter Lagerung, Richtwerte)
- Unter 2 Jahren: Schwarzwurzeln
- 2–3 Jahre: Schnittlauch, Petersilie, Koriander, Dill, Fenchel, Pastinake, Lauch
- 3–5 Jahre: Spinat, Mangold, Erbsen, Bohnen
- 5–10 Jahre: Tomaten, Gurken, Auberginen, Kürbisse, Artischocken
Beschriftung des Saatguts
Sorgfältig beschriftet und direkt ausgesät: klare Angaben zu Sorte und Jahr erleichtern Planung und
Nachvollziehbarkeit im Kleingarten. ©istockphoto.com FotoDuets
Wer kennt das nicht: Man findet ein Tütchen mit Samen und weiß nicht mehr, um welche Sorte es sich handelt oder wie alt sie sind. Das ist ärgerlich und vermeidbar. Deshalb sollte jedes Saatgut unmittelbar nach der Ernte oder dem Kauf beschriftet werden.
Jede Saatgutportion sollte folgende Angaben enthalten:
- Pflanzenart und Sorte
- Ernte- oder Kaufjahr
- Herkunft
- Geplanter Aussaattermin
- Besonderheiten (z. B. samenfest)
Verschiedene Methoden der Sortierung
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Saatgut übersichtlich zu ordnen.
Hier einige Beispiele:
- Nach Pflanzenfamilien oder -arten: Die Samentüten oder Behälter werden nach Pflanzenfamilien gruppiert (z. B. Kohlgewächse, Kürbisgewächse, Nachtschattengewächse).
- Nach Aussaatmethoden: Sortierung nach früher Vorkultur, normaler Vorkultur, Vorkultur im Gewächshaus, Direktaussaat oder Kaltkeimern.
- Nach Kategorien: Einteilung nach Gemüse, Wurzelgemüse, Kräutern, Blumen usw.
Beim Ernten, Lagern und Verwenden von Saatgut kommt es auf Genauigkeit, Übersicht und Geduld an. Selbst geerntetes Saatgut stärkt die Sortenvielfalt im Kleingarten und spart Kosten, erfordert jedoch sorgfältige Reifebestimmung, Reinigung und trockene, kühle Lagerung. Gekauftes Saatgut bietet häufig eine zuverlässige Keimung, klare Kennzeichnung und geprüfte Qualität.
Unabhängig von der Herkunft sind Sauberkeit, sorgfältige Beschriftung (Art, Sorte, Erntejahr), geeignete Behälter und kontrollierte Lagerbedingungen entscheidend, um Keimfähigkeit und Vielfalt über Jahre hinweg zu erhalten. Mit einer systematischen Vorgehensweise gelingt eine nachhaltige, sortenbewusste Saatgutpflege – und damit eine ertragreiche Gartensaison.
Unterschied zwischen samenfestem Saatgut und
F1-Hybriden
Samenfeste Sorten
Samenfeste Sorten sind Pflanzen, deren Samen sortenecht bleiben. Werden diese ausgesät, wachsen Pflanzen mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze.
Wichtige Merkmale:
- Vermehrbar: Das Saatgut kann aus der eigenen Ernte für die nächste Saison verwendet werden.
- Genetische Variation: Leichte natürliche Unterschiede innerhalb einer Sorte sind möglich. Das fördert Anpassungsfähigkeit und Vielfalt.
- Traditionell: Viele alte oder regionale Sorten sind samenfest (z. B. traditionelle Tomaten, Bohnen oder Karotten).
Vorteile:
- Eigene Saatgutgewinnung möglich
- Erhaltung der Sortenvielfalt
- Kostengünstig für Hobbygärtner
Nachteile:
- Weniger einheitlicher Wuchs oder Ertrag möglich
F1-Hybriden
F1-Hybriden entstehen durch eine gezielte Kreuzung zweier genetisch unterschiedlicher Elternlinien. Die daraus entstehenden Samen bilden die erste Filialgeneration (F1).
Wichtige Merkmale:
- Gleichmäßigkeit und Leistungsfähigkeit: Pflanzen aus F1-Saatgut sind meist sehr einheitlich, kräftig und häufig widerstandsfähiger gegen Krankheiten oder Stress.
- Keine sortenechte Vermehrung: Werden Samen einer F1-Pflanze erneut ausgesät, weisen die Nachkommen andere Eigenschaften auf.
- Jährlicher Neukauf: Für gleichbleibende Ergebnisse muss jedes Jahr neues F1-Saatgut erworben werden.
Vorteile:
- Einheitliche Erträge und Merkmale
- Häufig hohe Widerstandskraft
Nachteile:
- Keine Weitervermehrung möglich
- In der Regel teurer als samenfestes Saatgut
Autorin:
Stephani Terhechte
Referentin an der Landesschule zu gärtnerischen und ökologischen Themen
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