Gründüngung als Grundlage für gesunde Böden
Mischungen von Gründüngungspflanzen werden immer beliebter im Vergleich zu Einzelsaaten. Die Wirkung der enthaltenen Pflanzen ergänzen sich, gute Bodenbedeckung, tiefe Wurzeln, Blüten für Insekten. © Dr. Heidi Lorey
Als Gründüngung nutzt man bestimmte Pflanzen, die schnell wachsen, den Boden schützen, die Bodenlebewesen fördern und den Pflanzen Nährstoffe bereitstellen. Unter „Düngung“ für unsere Pflanzen im Kleingarten verstehen wir im Allgemeinen die Zufuhr von Pflanzennährstoffen in Form von mineralischem oder organischem Dünger.
Die Gründüngung unterscheidet sich davon, da hier auf nicht genutzten Beeten spezielle Pflanzenarten oder Pflanzenmischungen ausgesät werden. Diese werten auf vielseitige Art den Boden auf und verbessern die Bodenverhältnisse für die folgenden Kulturen, sind humusbildend und können auch düngend wirken. Das wird meist für die Gemüsebeete genutzt, kann aber auch zwischen Beerenobststräuchern oder auf der Baumscheibe der Obstbäume im Kleingarten eingesetzt werden.
Große Saatgutauswahl
Eine Honigbiene im Anflug auf den Bienenfreund Phacelia. © Dr. Heidi Lorey
Im Saatguthandel werden zahlreiche Samenpäckchen als Gründüngung angeboten. Es gibt einzelne Arten wie den beliebten Gelbsenf (Sinapis alba) oder den Bienenfreund Phacelia (siehe Tabelle). Dazu werden immer häufiger Gründüngungsmischungen angeboten, die Namen wie „Gründüngungsmix“, „Tempogrün“ oder „Bodenkur“ tragen. Die meisten Gründüngungspflanzen sind von Natur aus Einjährige, die im Winter bei Frost abfrieren. Die Auswahl der Gründüngungspflanzen hängt vom Ziel der Maßnahme im Kleingarten ab, von geplanten Vor- und Nachkulturen.
Auswahl an Gründüngungspflanzen
Pflanzenname |
Botanischer Name |
Pflanzenfamilie |
Überwinterung |
Aussaat und weitere Infos |
Buchweizen
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Fagopyrum esculentum |
Knöterichgewächse, Polgonaceae
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einjährig, abfrierend |
Mai bis August, gute Bienenweide, fruchtfolgeneutral |
Feldsalat |
Valerianella locusta |
Baldriangewächse, Valerianaceae |
Überwinterung
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September, Oktober, essbar, flache Bodenbedeckung
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Gelbsenf |
Sinapis alba |
Kreuzblütler, Cruciferae |
einjährig |
Mitte April bis September, wächst schnell, tiefe Pfahlwurzel, insektenfreundlich
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Lupine |
Lupinus |
Hülsenfrüchtler, Fabaceae |
einjährig, abfrierend |
Anfang April bis Mitte August, tiefe Pfahlwurzel, Stickstoffsammler, insektenfreundlich
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Luzerne |
Medicago sativa |
Hülsenfrüchtler, Fabaceae |
Überwinterung
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Grünschnitt als Mulch, Stickstoffsammler, insektenfreundlich
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Inkarnatklee |
Trifolium incarnatum |
Hülsenfrüchtler, Fabaceae |
Überwinterung
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April bis Anfang September, Stickstoffsammler, insektenfreundlich
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Sandhafer |
Avena strigosa |
Süßgräser, Poaceae |
einjährig, abfrierend |
April bis Mitte September, gegen schädliche Nematoden, fruchtfolgeneutral
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Spinat |
Spinacia oleracea |
Fuchssxhwanzgewächse, Amaranthaceae |
einjährig |
März bis September, essbar, flache Bodenbedeckung
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Perserklee |
Trifolium resupinatum |
Hülsenfrüchtler, Fabaceae |
einjährig, abfrierend |
Mitte April bis Mitte August, Stickstoffsammler, insektenfreundlich
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Phacelia, Bienenfreund |
Phacelia tanacetifolia |
Boretschgewächse, Boraginaceae |
einjährig, abfrierend |
März bis Ende September, gute Bienenweide, fruchtfolgeneutral
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Ringelblume |
Calendula officinalis |
Korbblütler, Compositae |
einjährig, abfrierend |
März bis September, essbar, insektenfreundlich, fruchtfolgeneutral
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Studentenblumen |
Tagetes patula
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Korbblütler, Compositae |
einjährig, abfrierend |
Mitte Mai bis Juli, gegen schädliche Nematoden, insektenfreundlich, fruchtfolgeneutral
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Gelbsenf
Gelbsenf keimt und wächst schnell, als Kreuzblütler wird er besser nicht auf Kohlbeeten eingesetzt.
© Dr. Heidi Lorey
Wer schnell etwas für die Begrünung sucht, sät meist Gelbsenf. Das Saatgut ist preiswert, die Pflanzen sind anspruchslos, für jede Bodenart geeignet. Die blattreichen Pflanzen unterdrücken das Wachstum von Beikräutern. Gelbsenf kann von April bis Ende September ausgesät werden. Seine gelben Blüten ziehen Insekten an. Die tiefgehende Pfahlwurzel lockert den Boden. Die einjährigen Pflanzen sterben bei Frost ab. Einziger Nachteil ist seine Zugehörigkeit zu den Kreuzblütlern, seine Verwandtschaft mit unseren Kohlgewächsen. Daher soll er als Gründüngung im Kleingarten nicht vor oder nach allen Kohlarten, Rettich, Radieschen oder Kresse eingesät werden.
Fruchtfolge-neutrale Saaten
Da im Kleingarten so viele Gemüsepflanzen aus der Kohlfamilie angebaut werden, bietet sich dort für die Gründüngung die Auswahl „fruchtfolgeneutraler“ Aussaaten an. Diese können vor oder nach jeder gärtnerischen Kultur ausgesät werden.
Dazu zählt der Buchweizen aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). Aus dieser Familie stammt beim Gemüse nur der Rhabarber. Der Bienenfreund, Phacelia, wird auch als neutrale Pflanze häufig ausgesät. Seine blauen Büschelblüten sind bei Insekten sehr beliebt. Als Raublattgewächs (Boraginaceae) gehört auch der Borretsch zur gleichen Familie.
Buchweizen bildet viel Pflanzenmasse. Seine kleinen Blüten sind willkommen bei vielen Insekten. ©Dr. Heidi Lorey
Ringelblumen, Sonnenblumen und Tagetes sind Korbblütler (Compositae), werden auch unter fruchtfolgeneutral gezählt. Als Gemüse sollten Salat, Endivien, Radicchio, Schwarzwurzeln ihnen nicht unmittelbar folgen. Gräser für die Gründüngung wie der Sandhafer und Gründüngungsroggen gehören auch dazu.
Ringelblumen sind als Korbblütler fruchtfolgeneutral. ©Dr. Heidi Lorey
Stickstoff binden
Eine bunt blühende Felderbse in einer Gründüngungsmischung. ©Dr. Heidi Lorey
Die verschiedenen Kleearten sind als Gründüngungspflanzen besonders wertvoll. Lupinen, Erbsen, Bohnen und Wicken sind in der Lage, den Stickstoff aus der Luft zu binden. Mit ihrer Kultur gelingt direkt ein Zugewinn an dem wichtigen Pflanzennährstoff Stickstoff. Den Pflanzen gelingt dies durch die Symbiose mit knöllchenbildenden Bakterien an ihren Wurzeln. Gräbt man vorsichtig eine ältere Pflanze aus, sind deutlich die kleinen Knötchen an den Wurzeln zu erkennen. Wenn diese nach Abfrieren der Gründüngung im Boden verbleiben, reichern sie ihn für die Folgekultur mit Stickstoff an. Die Menge wird auf 10–20 Gramm Stickstoff pro Quadratmeter geschätzt. Damit lässt sich schon eine mineralische oder organische Düngung für den nachfolgenden Anbau von Schwach- und Mittelstarkzehrern einsparen. Unter den Kleearten kann man zwischen Pflanzen unterschiedlicher Wuchshöhen wählen. Die Lupinen sind außerdem beliebt, da sie den Boden mit ihrer Pfahlwurzel aufschließen.
Bodenlockerung mit Pfahlwurzeln
Sonnenblumen sind die Riesen unter der Gründüngung. Sie bieten dazu noch Blütenschmuck und Vogelfutter. ©Dr. Heidi Lorey
Besonders bei Übernahme eines Kleingartens oder Neuanlage einzelner Beete kann man durch Aussaat der tief wurzelnden Arten den Boden auf natürliche Weise lockern.
Lupinen bilden eine starke, senkrecht in den Boden wachsende Pfahlwurzel. Sie kann bis über einen Meter Tiefe erreichen. Die Wurzeln lockern den Boden, die Wurzelgänge verbessern den Luft- und Wasserhaushalt des Bodens. Regenwürmer nutzen die alten Wurzelgänge. Dies macht sich besonders auf lehmigen Böden positiv bemerkbar.
Auch Gelbsenf, Ölrettich, die zarten Pflanzen von Lein (Linum usitatissimum), Ackerbohnen und Sonnenblumen können gezielt für die Bodenlockerung ausgesät werden oder sind in Gründüngungsmischungen enthalten.
Die Sonnenblumen liefern im Herbst noch Futter für die Gartenvögel.
Gegen Bodenälchen
Tagetes wirken als „Bodenkur“ gegen Fadenwürmer. ©Dr. Heidi Lorey
Manche Gründüngungspflanzen scheiden über die Wurzeln oder ihr verrottendes Laub Stoffe in den Boden aus, die gegen bodenbürtige Krankheiten und Schädlinge wirken. Möhren, Sellerie, Porree, Salat, Bohnen, Zwiebeln, Kartoffeln, Erdbeeren können von Wurzelälchen (Nematoden) befallen werden. Dies führt zu vermehrter Seitenwurzelbildung, bei Möhren auch zur Beinigkeit. Da in Kleingärten häufig die gleichen Beete genutzt werden, können sich die Älchen im Boden vermehren.
Der Anbau von Tagetes reduziert die Bodenälchen durch Inhaltsstoffe in ihren Wurzeln. Die hohen Studentenblumen (Tagetes patula) sind besonders wirksam. Dazu werden die frostempfindlichen Tagetes ab Mitte/Ende Mai ausgesät. Sie sollten mindestens drei Monate auf dem Beet stehen bleiben, um den Boden gut zu durchwurzeln und somit die Wurzelälchen abzutöten. Die Tagetes können auch als Reihe zwischen gefährdete Gemüsekulturen gesät werden. Die Blüten der Studentenblumen zieren dazu den Kleingarten. Auch der Anbau von Ölrettich (Raphanus sativus ssp. oleiformis) wirkt gegen bestimmte Bodenälchen.
Gemüse als Gründüngung
Auch Pflanzen, die wir eigentlich als Gemüse nutzen, können als Gründüngung eingesät werden. Saatgut von Spinat in Großpackungen ist günstig. Spinat keimt schnell und bei dichter Aussaat wird der Boden von den großblättrigen Sorten gut bedeckt. Seine zahlreichen Feinwurzeln durchziehen die Bodenkrume. Man kann Spinat sowohl im Frühjahr als auch im Herbst aussäen, hat das Beet bedeckt und noch eine Gemüseernte. Mit Feldsalat und Gartenkresse kann man genauso verfahren.
Spinat und Feldsalat bedecken als essbare Gründüngung das Beet über den Winter. ©Dr. Heidi Lorey
Gründüngung aussäen
Die Aussaat von Gründüngung kann im Kleingarten als Vor- oder Nachkultur erfolgen. Jede offene Stelle an Boden kann für die Einsaat von Gründüngung genutzt werden. Besonders die Gemüseflächen, die noch auf eine Aussaat warten oder nach dem Anbau im Frühjahr frei werden, bieten geeignete Beete. Wie vor jeder Aussaat wird der Boden gelockert und geebnet. Das Saatgut der Gründüngung wird breitwürfig aus der Hand ausgesät. Mit der Harke wird es flach eingearbeitet. Bei trockenem Boden wird es angegossen. Die meisten Gründüngungspflanzen sind raschwüchsig, denn sie sollen den Boden schnell bedecken. Wird die Gründüngung ab März als Vorkultur ausgesät, wird sie umgebrochen und in den Boden eingearbeitet, wenn im Mai/Juni das Beet für die Gemüsekulturen gebraucht wird. Gründüngungseinsaaten nach dem Anbau von Kartoffeln, Erbsen oder frühem Kohl ab August können aufwachsen und über Winter als Bodenschutz auf dem Beet belassen werden. Durch Frost und Kälte werden die Stängel mürbe und verrotten. Die Reste werden im Frühjahr in den Boden eingearbeitet, grobere Stängel kommen auf den Kompost. Wer nicht möchte, dass sich Bienenfreund oder Ringelblumen selbst aussäen, sollte sie nach der Blüte abschneiden.
Vorteile der Gründüngung für den Boden
- offener Boden wird bedeckt und beschattet,
- geschützt vor starkem Regen, Trockenheit
- Durchwurzelung lockert den Boden
- Schutz und Förderung von Bodentieren, Mikroorganismen, Bakterien, Pilzen
- Futter für Bodentiere
- Nährstoffanreicherung durch Leguminosen
- „Feindpflanzen“ gegen Bodenschädlinge wie Fadenwürmer
- blühende Gründüngung zieht Insekten an, darunter Nützlinge
- Beikrautaufwuchs wird unterdrückt
- Pflanzenmasse kann als Mulch für andere Beete verwendet werden
- Humusbildung wird gefördert durch Einarbeitung der Pflanzenreste
- bunte Beete fürs Auge des Kleingärtners und Besucher