Gemüsebau im Garten – Einblick in die Vielfalt des Gärtnerns bei der Fachberatertagung
Besuchergarten mit Naschort
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Bericht zur Fachberatertagung der Bezirks-/Stadtverbandsfachberater am 25./26.04.2026
Die Fachberater und Fachberaterinnen erleben die vielfältigen Facetten der gärtnerischen Nutzung: Exkursionen und Vorträge gehören traditionell zum Fortbildungsprogramm der FachberaterInnen der Bezirks- und Stadtverbände. Die Verantwortlichen der Landesschule Lünen haben unter dem Motto “Gemüsebau im Garten – Zusammenleben mit Perspektive“ auch in diesem Frühjahr wieder ein interessantes und kontrastreiches Tagungsprogramm zum zusammengestellt, dass die GärtnerInnen am 25.04.2026 zunächst in verschiedene Gärten und zu unterschiedlichen Gartenprojekten führte. Am darauf folgenden Tag wurde sowohl der Anbau von Gemüse wie auch die Welt der mikrobiellen, unterirdisch lebenden Gartenhelfer im Rahmen professioneller Vorträge aufgearbeitet.
Besuch des Stadtverbandes Herne-Wanne
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Empfang im Generationengarten des Schulungszentrums
Den Gästen wurde im Stadtverband Herne-Wanne ein sehr freundlicher und herzlicher Empfang bereitet. Kornelia Matzat-Filler (Stadtverbandsvorsitzende), Katrin Berezvai (Stadtverbandsfachberaterin), Herr Lissing (Stellvertretender Vorsitzender der KGA Im Stichkanal in Herne-Holsterhausen) sowie Rita und Uli Gartmann (Kassierer Stadtverband und Projektverantwortlicher) begrüßten die Gäste bei bestem Wetter und frisch gebackenen Waffeln von Rita Gartmann in einem sehr gut gepflegten Schulungszentrum.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Damit war das Interesse an dem tatkräftigen Stadtverband und dem außergewöhnlichen Generationengarten-Projekt schnell geweckt. Nach Vorstellung des Stadtverbandes und der historischen Entwicklung des Schulungszentrums gab Uli Gartmann einen umfassenden Einblick in das Projekt “Generationengarten“, das er mit viel Fachwissen und Herzblut von Anfang an stringent geplant, entwickelt und betreut hat. Selbstverständlich waren dabei noch viele weitere, engagierte Helfer, Ideengeber und sonstige Unterstützer involviert.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Gemeinsam die Natur erleben im Generationengarten
Der Generationengarten im Schulungszentrum des Stadtverbandes verfolgt das Ziel:
“Gemeinsam die Natur erleben – inklusiv und mit allen Generationen“.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Dazu bietet sich das, mit guter Infrastruktur ausgestattete, ca. 1500 m² große Schulungsgelände im Bereich der Geschäftsstelle des Stadtverbandes an. Hier wird in einem behinderten- und kindgerecht gestalteten 200 m²-Hochbeetgarten gemeinschaftlich gegärtnert.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Kinder einer Kindertagesstätte, Schulklassen, junge Erwachsene einer Stiftung für Menschen mit Behinderung und mehr oder weniger fitte Senioren finden sich hier ein, um gemeinsam die Natur zu erleben, zu gärtnern und voneinander zu lernen. Organisation und Anleitung übernehmen im Wesentlichen die jeweiligen, ehrenamtlich tätigen VerbandsfachberaterInnen und weitere FachberaterInnen sowie die ImkerInnen des Imkervereins Herne, die auf dem Gelände die Bienenvölker betreuen. Nur durch das besondere Engagement vieler GartenfreundInnen konnte sich das Projekt dauerhaft etablieren und als UN Dekade-Projekt für Vielfalt ausgezeichnet werden.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Bei einem Rundgang durch den Garten ließen sich erste Gemüsepflänzchen begutachten und luden zum Fachsimpeln ein. Der Austausch konnte dann in der Mittagspause bei strahlendem Sonnenschein und leckerer Verpflegung fortgesetzt werden, bevor der nächste Exkursionspunkt in der Stadt Essen angesteuert wurde.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Besuch der Bonnekampstiftung in Essen
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Gemüseanbau unter erschwerten Umweltbedingungen
Während in Herne-Wanne der Gemüseanbau mit einem integrativen Ansatz in einem kleingärtnerischen Umfeld präsentiert wurde, bot sich in Essen ein ganz anderes Bild. Mitten in einem dicht besiedelten Areal der Stadt Essen hat sich vor ca. 11 Jahren die Bonnekampstiftung auf einer ehemaligen wilden Müllkippe angesiedelt, um dort ebenfalls mit einem integrativen Ansatz Gartenbau zu betreiben. Inzwischen hat sich die ca. 3 ha große Fläche zu einem ökologischen Hotspot im Essener Stadtgebiet entwickelt und auch integrative Gartenprojekte sind weiterhin ein fester Bestandteil des Großprojekts.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Von Frau Häuser erfuhren die TeilnehmerInnen zunächst, wie schwierig es ist, sich in einem dicht besiedelten Gebiet, trotz bester sozialer und ökologischer Absichten, gegen diverse Ansprüche, Begehrlichkeiten und Repressalien aus dem Umfeld zu behaupten. Doch inzwischen musste selbst die Stadtverwaltung Essen einsehen, dass der flächendeckenden Bebauung auch mal Grenzen gesetzt werden müssen.
In Abhängigkeit von einem angestrebten Förderprojekt und dem zeitlichen Budget der engagierten Mitarbeiter soll das gärtnerische Wirken darum künftig weiterhin forciert werden.
Natürliche Sukzession ergänzt durch soziales und gärtnerisches Engagement
Aus einem ursprünglich komplett verwilderten Gelände wurde mit Unterstützung der natürlichen Sukzession im Laufe der Jahre ein kleines Paradies geschaffen, in dem bis heute Obst- und Gemüsekulturen mit einem permakulturellen Ansatz angebaut werden. Das Gelände ist aber in keiner Weise mit den klassischen Kleingärten und dem bekannten Kleingartenwesen zu vergleichen.
Etwa 4 permanent aktive, engagierte Mitarbeiter sowie zahlreich Helfer haben Gemüsebeete, Obstanpflanzungen und naturnahe Rückzugsräume für Pflanzen, Tiere und Menschen geschaffen. Ebenso wie in dem sorgsamen Umgang mit dem Boden, der Tier- und Pflanzenwelt werden auch im menschlichen Miteinander Respekt, Umsicht und Verantwortungsbewusstsein kultiviert. Das Credo der täglichen Arbeit und der angebotenen Bildungsveranstaltungen lautet: “Gemeinsam können wir Neues erschaffen“.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Natur als Brücke
Um Menschen unabhängig vom persönlichen Hintergrund auf Augenhöhe miteinander in Kontakt zu bringen, dient die Natur als Brücke. Diese Erfahrung haben nicht nur die Verantwortlichen der Bonnekampstiftung gemacht, sondern sie ist sozusagen auch in den Genen von uns KleingärtnerInnen verhaftet. Ebenso wie in vielen Kleingärten arbeiten auch auf der Bonnekamphöhe Menschen ehrenamtlich, weil sie etwas Positives bewirken wollen. Alle eint die Faszination für das Lebendige ebenso wie die Freude am Gärtnern. Wir können mit unseren unterschiedlichen Schwerpunkten voneinander lernen und so unsere Umgebung gemeinsam gestalten.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Da das gesamte Projekt derzeit gesichert erscheint, produzieren Frau Häuser und ihre MitstreiterInnen derzeit diverse Gemüseaussaaten, die von den BesucherInnen aus Lünen interessiert begutachtet wurden. Die Zufrieden- und Ausgeglichenheit, die Frau Häuser persönlich mit den Gärtnern verbindet, konnten viele angereiste FachberateInnen gut nachvollziehen. Diese positiven Aspekte des Gärtnerns versöhnen etwas mit den Widrigkeiten, denen wir auch als KleingärtnerInnen immer mal wieder ausgesetzt sind.
Nach einem gelungenen Exkursionstag wurde am Sonntag die Fortbildungsveranstaltung in der Landesschule in Lünen fortgesetzt. Fachvorträge, Verbandsinformationen und der Austausch von eigenen Erfahrungen standen auf dem Programm.
Gemüse ins Blumenbeet – Wie die Integration von Gemüse im Kleingarten neu gelingen kann
©monkeybusinessimages (istockphoto.com)
Dr. Heidi Lorey, den KleingärtnerInnen der Landesschule aus Vorträgen, Newsletterbeiträgen und diversen Büchern gut bekannte Gartenspezialistin ging in ihrem reich bebilderten Vortrag der Frage nach, wie man dem allgemeinen Trend entgegen wirken und mehr Gemüse in den Garten bringen kann. Gemüseanbau ist in den letzten Jahren aus vielen Gärten verschwunden oder wird nur noch fragmentarisch praktiziert. Ein weit verbreitetes Argument für den Rückgang und den verstärkten Einsatz von mehr oder weniger nachhaltigen und oft wenig anschaulichen Hochbeeten ist:
“Zu viel Arbeit!“ Das ist natürlich nicht immer von der Hand zu weisen, doch die geschmackliche, gesundheitliche und visuelle Entschädigung, das Glücksgefühl bei der Ernte ist immer ein wenig Mühe wert. Und die Arbeit im Kleingarten mit Boden und Pflanzen erdet uns, lässt Stress vergessen und nimmt Tempo aus unserem Alltag.
Bei Gemüse handelt es sich meist um einjährige Pflanzen oder mehrjährige Stauden, wobei die Nutzungsübergänge fließend sind. Küchenkräuter, Gemüse, essbare Stauden und Zierpflanzenblüten, dekoratives Gemüse mit schmucken, bunten Blättern ..….. alles ist möglich. Wichtig für das Wachstum ist nur die standortgerechte Kultur, inklusive geeigneter Nachbarschaft.
Frau Dr. Lorey schaut dem Gemüse für gewöhnlich sehr genau aufs Blatt wie auch auf die Blüten und Früchte und entdeckt dabei wunderbare, verführerische Schönheiten, die sie den FachberaterInnen in phantstischen Bildern und mit viel Sachverstand präsentierte. Zudem betonte sie, dass wir KleingärtnerInnen uns immer darum bemühen sollten, das Wissen um die eigene Kultur von Nahrungsmitteln zu erhalten und an die Nachfolgegenerationen weiterzugeben. Schon ein kleines Gemüsebeet oder auch Gemüsepflanzungen zwischen Zierpflanzen hilft dabei, die Vielfalt zu erhalten, die Ernährung zu sichern und die Welt ein bisschen schöner zu gestalten.
Unterschätzte Akteure: Mikrobielle Gartenhelfer
©Andreas Häuslbetz – istockphoto
Nach der Mittagspause war nochmals höchste Konzentration gefragt, denn es ging um die kaum wahrgenommenen und meist unterschätzten Gartenhelfer “unter Tage“. Dazu war ein Perspektivwechsel in die Bodenschichten unseres Gartens nötig. Die unterirdische Welt rund um die Wurzeln (Rhizosphäre) stellt eine Art Marktplatz mit Angebot und Nachfrage dar, den wir GärtnerInnen uns zu Nutze machen. Dr. Hennig Wiegmann hat in seinem Vortrag unseren Blick für die meist im Verborgenen lebenden kleinen Gartenhelfer geschärft, die in Symbiose mit den uns bekannten Pflanzen leben. Viele Bodenlebewesen, wie z.B. die Mykorrhiza-Pilze, verbessern bei vielen Gartenpflanzen die Aufnahme von Phosphor und Wasser, während Rhizobien (Knöllchenbakterien) bei Leguminosen gezielt die Stickstoffversorgung durch biologische Fixierung sichern. Die Symbiose zwischen Pflanzen und den genannten Pizen und Rhizobien stellen eine klassische Win-Win-Situation dar, von der auch wir GärtnerInnen gerne profitieren.
Kompost wirkt als zentraler Baustein des Bodennahrungsnetzes, indem er organische Substanz und ein breites Spektrum an Mikroorganismen bereitstellt und so die Bodenfruchtbarkeit langfristig stabilisiert. In Kombination entfalten diese Komponenten ihre größte Wirkung in wenig gestörten, möglichst nicht umgegrabenen sondern bestenfalls vorsichtig gelockerten und moderat gedüngten Böden, wo sie als funktionelles System zur nachhaltigen Nährstoffversorgung beitragen.
Hans-Joachim Wandhöfer, ein engagierter Referent der Landesschule, ergänzte den detailreichen und bebilderten Vortrag von Herrn Dr. Wiegmann mit praktischem Anschauungsmaterial aus seiner langjährigen Praxis.
Verbandsinformationen und Erfahrungsaustausch
Der 2. Tag der Fachberatertagung war nicht nur den Fachvorträgen vorbehalten, sondern auch den allgemeinen Informationen aus dem Landesverband, den Bezirksverbänden und dem Erfahrungs-austausch. Die Digitalisierung des Landesverbandes, das Schulungswesen mit der besonders beliebten und erfolgreichen Fachberaterausbildung wurde in Bildern thematisiert wie auch die bevorstehende IGA 2027 und die Novellierung der Wertermittlungsrichtlinie. Ulrike Brockmann-Krabbe als ehrenamtliche Landesfachberaterin und Stephan Bevc als Mitglied der Arbeitsgruppe “Wertermittlungs-APP“ waren hier besonders gefragt und berichteten beispielsweise von der Entwicklung eines digitalen Mitgliederverwaltungsprogramms, von der elektronischen Schadensmeldung oder von dem aktuellen Sachstand bezüglich der neuen Wertermittlungsrichtlinie. Kerstin Michel, die Stadtverbandsfachberaterin aus Dortmund, informierte ausführlich über Wissenswertes aus dem Dortmunder Stadtverband. Bezüglich der künftigen Bezirksfachberater-tagungen kamen aus dem Plenum (insbesondere von Monika Möhrchen und Rabea Tiegs) konkrete Anregungen zum IGA-Jahr 2027 und zur Fortsetzung der Tagungskultur, die vom Landesverband bei zukünftigen Planungen ggf. aufgegriffen werden.