GartenForum 2026 – der Garten als lebendiges, gut vernetztes System
Aufmerksam dabei: Die Bezirks- und StadtverbandsfachberaterInnen beim GartenForum 2026 in der Landesschule.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Beim GartenForum 2026 am 29.08.2026 ging es um das Zusammenspiel im Garten:
ein Vortrag zur Symbiose zwischen Pflanzen, Pilzen, Bakterien und Tieren, gefolgt von einer Einführung in die Permakultur als nachhaltige Gestaltungsmethode für den eigenen Kleingarten.
Das natürliche Zusammenspiel zulassen und den Ertrag steigern
Das jährlich stattfindende GartenForum spricht gezielt die Bezirks- und StadtverbandsfachberaterInnen wie auch die neuen FachberaterInnen der letzten zwei Jahre an. Ausgewählte, interessante Fachvorträge und der Austausch zwischen den FachberaterInnen zeichnen diese Fortbildungsveranstaltung aus. Am Samstag, 29.08.2026 startete der Tag mit einem botanischen Vortrag zum Thema Symbiose, gefolgt von einer Einführung in die Grundzüge und Methoden der Permakultur. Danach boten sich ausgedehnte Möglichkeiten zum fachlichen Austausch im Rahmen des Offenen Gartennachmittags, der wieder viele Gäste in den Garten der Landesschule gelockt hat.
1. Symbiose total – Warum im Garten niemand Single bleibt
1.1 Wissenschaftliche Fakten anschaulich verpackt
Der Begriff „Symbiose“ bezeichnet im ursprünglichen Wortsinn das „Zusammenleben“ bzw. aufeinander abgestimmte „Lebensgemeinschaften“ oder anders gesagt: „die Vergesellschaftung von Individuen unterschiedlicher Arten“.
Dr. Henning Wiegmann, Biologe an der Universität Münster und begeisterter Kleingärtner, beleuchtete in seinem Vortrag verschiedene Symbiosen, die in unseren Gärten vorkommen und von denen auch wir GärtnerInnen profitieren. Phantasievoll, anschaulich und entspannt vermittelte er den TeilnehmerInnen wissenschaftliche Fakten und veranschaulichte sie gut nachvollziehbar in unserem gärtnerischen Alltag. Der Vortrag, der im Plenum zu angeregten Diskussionen führte, räumte mit dem Mythos auf, dass Pflanzen stumme Einzelgänger sind und zeigte das hochkomplexe soziale Leben der unterschiedlichsten Gartenbewohner.
1.2 Kleingarten als Wohngemeinschaft von Spezialisten
Interessierter Austausch unter den TeilnehmerInnen des diesjährigen GartenForums.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
Ausgehend vom vielfältigen Bodenleben im Untergeschoss unseres Gartens bis hin zu den oberirdisch orientierten, pflanzlichen und tierischen Gartenbewohnern besteht unser Garten aus einem komplexen System von Lebensgemeinschaften. Diese Gemeinschaften setzen sich aus unzähligen Individuen zusammen, die z. B. über chemische Ausscheidungen miteinander kommunizieren und aufeinander reagieren. Allgemein bekannt sind die faszinierenden Knöllchenbakterien, die mit Leguminosen (z. B. Erbsen, Bohnen, Klee) eine äußerst ertragreiche symbiotische Lebensgemeinschaft eingehen.
Dabei werden die Pflanzen in ihrem Wurzelraum gezielt aktiv und gelangen mit Hilfe der filigranen Wurzelhaare an die begehrten und nützlichen Bakterien. Diese stellen den Pflanzen die begehrten Stickstoffverbindungen zur Verfügung. Weitere Beispiele sorgten bei den ZuhörerInnen für Staunen und viele Aha-Effekte. Dabei wurden grundsätzlich folgende symbiotische Kategorien unterschieden:
- Pflanze–Pilz-Symbiosen (Mykorrhiza)
- Pflanze–Bakterien-Symbiosen (Rhizobien)
- Pflanze–Insekten-Symbiosen (Bestäubung)
- Tier–Pflanze-Symbiosen (Vögel, Ameisen und Igel)
- Pflanze–Pflanze-Symbiosen (Mischkulturen)
1.3 Klassische Win-Win-Situation einer Lebensgemeinschaft
Symbiotische Lebensgemeinschaften basieren laut Dr. Wiegmann in der Regel auf dem Prinzip der Win-Win-Situation. Beispielsweise erweitern die sogenannten Mykorrhiza-Pilze das Wurzelsystem der Pflanze ganz erheblich, indem sie feine Pilzfäden ins Erdreich ausstrecken. Dadurch wird die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen deutlich verbessert. Im Gegenzug erhält der Pilz von der Pflanze Zuckerstoffe. Viele Gartenpflanzen, wie Blaubeeren, Rosen, Obstbäume oder Gemüsekulturen, profitieren von dieser Art der Symbiose. Vögel oder Schlupfwespen übernehmen hingegen die Funktion eines Sicherheitsdienstes und wehren Fressfeinde ab, während der Obstbaum den Tieren Nahrung und Unterschlupf bietet.
Abschließend betonte der Referent, dass Symbiosen ein grundlegendes Prinzip der Natur und ein unverzichtbarer Bestandteil gesunder Gartensysteme darstellen. Sie tragen zur Ernährung der Pflanzen, zur Schädlingskontrolle und zur Stabilität des Ökosystems bei. Durch das bewusste Fördern symbiotischer Beziehungen lässt sich ein Garten gestalten, der ertragreich, nachhaltig und ökologisch ausgewogen ist. Das Resümee des Referenten: Wer Symbiosen versteht und nutzt, arbeitet nicht gegen die Natur, sondern mit ihr – und profitiert langfristig von weniger Pflegeaufwand, mehr Biodiversität und gesünderen Pflanzen. Der Garten wird so zu einem kleinen, stabilen Ökosystem, das Mensch und Natur gleichermaßen zugutekommt.
2. Lebendiger Garten, reiche Ernte – mit Permakultur den Kleingarten gestalten
2.1 Erfahrungen mit der Permakultur
Ökologische und nachhaltige Ansätze bei der Gartenbewirtschaftung gewinnen bei vielen GärtnerInnen seit einigen Jahren an Bedeutung und werden auch in der Landesschule des Landesverbandes gezielt verfolgt und unterstützt. Auch die Permakultur gehört dazu und gewinnt im Kleingartenwesen immer mehr Anhänger.
Der Begriff Permakultur lässt sich übersetzen mit „permanent agriculture = dauerhafte Landwirtschaft“. Bill Mollison, einer der Pioniere der Permakultur, hat eine wunderbare poetische Umschreibung für den Begriff gefunden, die dem Wesen der Permakultur entspricht: „Permakultur ist ein Tanz mit der Natur, bei dem die Natur führt.“
Frau Alexandra Müller, Kleingärtnerin aus Bremen, Waldgärtnerin aus Leidenschaft und Permakulturistin, hat sich mit den Grundlagen und Methoden der Permakultur intensiv theoretisch sowie praktisch auseinandergesetzt und stellte ihre Erkenntnisse den FachberaterInnen in einem reich bebilderten Vortrag vor. Eine angeregte Diskussion im Anschluss des Vortrages zeugte von dem großen Interesse der KleingärtnerInnen.
Alexandra Müller stellte in ihrem reich bebilderten Vortrag die Grundlagen der Permakultur vor.
©Ulrike Brockmann-Krabbe
2.2 Grundlegende Überlegungen zur Permakultur
Laut Referentin ist die Permakultur im Wesentlichen eine Planungsmethode und bedeutet viel Kopfarbeit. Sie ist weder Anbaumethode noch eine allseits nutzbare „Schablone“ oder Aneinander-reihung spezieller Elemente, sondern sie ist vielmehr eine Art individueller Gestaltungsprozess.
Dieser basiert auf der ethischen Grundlage „Earth Care, People Care, Fair Share“ (Umweltschutz, Um Menschen Kümmern, Gerechter Anteil). Einige, von Mollison und Holmgren zusammengefasste Prinzipien, Denkansätze und Methoden erläutern den Charakter der Permakultur und verdeutlichen mögliche Gestaltungs- und Handlungsgrundsätze:
- Mit der Natur statt gegen sie
- Das Problem ist die Lösung
- Kleinstmögliche Veränderung für den größtmöglichen Effekt
- Der Ertrag eines Systems ist theoretisch unbegrenzt
- Alles gärtnert
- Beobachte und interagiere
- Sammle und speichere Energie
- Erziele eine Ernte
- Nutze Selbstregulation
- Nutze erneuerbare Energien und Dienstleistungen
- Produziere keinen Abfall
- Integriere statt zu trennen
- Nutze und schätze die Vielfalt
- Reagiere kreativ auf Veränderungen
Ausgangspunkt der Permakultur im eigenen Garten ist die intensive Beobachtung vor Ort und Analyse der örtlichen Gegebenheiten. Darauf aufbauend lässt sich z. B. ein genauer Lageplan für Beete, geeignete Pflanzenstandorte, Wasserstellen, Sitzecken usw. entwickeln, der Licht und Schatten zu verschiedenen Jahreszeiten, Windkanäle, Sichtachsen sowie natürliche Ressourcen und andere Besonderheiten des Geländes berücksichtigt.
Unter Berücksichtigung der eigenen Wünsche und Schwerpunkte, die man in seinem Garten verwirklichen möchte, lässt sich darauf ein nachhaltiges, gärtnerisches Kreislaufsystem aufbauen.
2.3 Permakultur im Kleingarten ist möglich
Das Fazit der Referentin, das von erfahrenen Permakulturisten im Plenum bestätigt wurde, lautet:
Mit der nötigen Zuwendung, Toleranz und Erfahrung lassen sich mit den Prinzipien und Methoden der Permakultur auf nachhaltige Weise dauerhafte, stabile und ertragreiche Systeme gestalten und etablieren, sofern sie an die örtlichen Gegebenheiten und an die Bedürfnisse der mitwirkenden Lebewesen angepasst sind.
Auch in unseren Kleingärten lassen sich typische Anbaumethoden der Permakultur im Einklang mit der kleingärtnerischen Gesetzgebung aufbauen. Eine gute Beobachtungsgabe, Flexibilität und ein geschicktes, örtlich angepasstes Zusammenspiel verschiedener Elemente im Garten und eine sinnvolle Nutzung der Ressourcen sind dabei unerlässlich und machen langfristig vielfältige Erträge möglich.