Herbstarbeiten im Obstgarten –
Den Obstbäumen helfen gesund zu bleiben
©Stephan Grote
Wesentlich für einen gesunden Obstbaum im Garten ist ein vielfältiges und naturnahes Umfeld,
ein Garten, der sich im biologischen Gleichgewicht befindet. Auch das sogenannte physiologische Gleichgewicht des Baumes selbst ist zu beachten. Dies wird u. a. erreicht durch eine ausgeglichene Versorgung des Baumes mit Wasser und Nährstoffen und einen ausgewogenen und regelmäßigen Schnitt.
"Im Herbst können wir den Obstbaum durch verschiedene, spezielle Anwendungen und Tätigkeiten dabei unterstützen, gesund zu bleiben und gesunde Früchte zu produzieren."
(Stephan Grote)
Dazu zählen im Wesentlichen drei Maßnahmen: das Befreien der Zweige und des Stammes von überwinternden Schädlingen, der Schutz der Stämme vor starker Sonneneinstrahlung und das Anlegen von Leimringen.
Allgemeine, gesundheitsfördernde Maßnahmen im Herbst
Bevor diese Maßnahmen durchgeführt werden, gibt es noch einige grundlegende Schritte,
um das Gesundbleiben unserer Obstbäume zu fördern. Um zum Beispiel den Krankheitsdruck durch schädigende Pilze im kommenden Jahr zu verringern, wird oft das Entfernen von Fruchtmumien,
des Fallobstes und des Falllaubes empfohlen. Der Gedanke dahinter ist, dass der Infektionsdruck der Pilze im Frühjahr durch die direkte Nähe zum Obstbaum besonders hoch ist.
Insbesondere das Entfernen des Falllaubs kann zu einer geringeren Infektion im Folgejahr führen.
Allerdings sollte auch immer darauf vertraut werden, dass die Natur für eine natürliche Entsorgung sorgt. Regenwürmer, Asseln und Co. verwerten das Laub, entfernen die Pilzsporen damit aus dem System und reichern den Boden wieder mit Nährstoffen an. Falls das gesamte Laub entfernt wird,
ist es in jedem Fall wichtig, im Frühjahr dem Baum und dem Boden mit Kompost zu versorgen.
Fruchtmumien
Fruchtmumien am Baum können den Krankheitsdruck im nächsten Jahr erhöhen. Wer sie im Herbst entfernt,
beugt vor allem der Moniliafruchtfäule vor. ©Oxana Medvedeva – istockphoto.com
Die meisten Fruchtmumien sehen wir an Apfelbäumen. Einige Sorten wie die im Haus- und Kleingarten beliebte Sorte Ingrid Marie bilden sortentypisch sehr viele Fruchtmumien.
Das Entfernen der Fruchtmumien führt bei diesen Sorten in der Regel zu keiner nachhaltigen Verringerung der Bildung im kommenden Jahr.
Grundsätzlich gilt aber, dass das Entfernen der Mumien zu einem geringeren Befallsdruck vor allem mit Moniliafruchtfäule im kommenden Jahr führen kann. Falls die Fruchtmumien auf den Kompost kommen, bitte mit ausreichend organischem Material bedecken, damit die Sporen im Frühjahr nicht wieder freigesetzt werden. Nach ein paar warmen Monaten im Kompost verschwindet der Infektionsdruck durch den Pilz in der Regel vollständig.
Das Abbürsten des Stammes
Watteartige Nester am Trieb sind ein typisches Zeichen für Blutläuse. Regelmäßiges Abbürsten des Stammes hilft, solche Schädlinge vor dem Winter loszuwerden. ©Stephan Grote
Das Ziel des Abbürstens ist es, Eigelege, Raupennester oder auch Raupenpuppen schädigender Insekten zu entfernen und auch Versteckräume am Stamm wie z. B. Flechten und Moosbesatz zu beseitigen. Das Säubern des Stammes kann mit einer einfachen Wurzel- bzw. Gemüsebürste durchgeführt werden. Stammkratzer oder Drahtbürsten sind nicht sehr effektiv, um kleinere Eigelege zu entfernen, und können den Stamm verletzen.
Zu den überwinternden Läusen zählen z. B. die Blutläuse. Durch die saugende Tätigkeit dieser Läuse erfolgt eine Schädigung als blasenartige Gallenbildung an der Rinde der Triebe. Oftmals erfolgt anschließend eine Sekundärinfektion mit Pilzerkrankungen, u. a. dem Obstbaumkrebs. Auffällig sind die watteartigen Nester der Tiere, die sich oftmals am Kronenansatz und auch am Stammfuß jüngerer Obstbäume befinden. Der Befall dieser Tiere kann auch durch die Förderung von Nützlingen, insbesondere dem Ohrwurm, eingedämmt werden.
Zu den im Baum überwinternden Schmetterlingen zählt auch die Gespinstmotte. Deren Eier werden oft an jüngeren Zweigen der Obstbäume abgelegt. Der Apfelwickler (die sog. Obstbaummade) überwintert als Puppe hinter den Rindenschuppen am Stamm. Durch das Abbürsten kann der Befall mit Raupen beider Schmetterlingsarten zumindest teilweise verhindert werden.
Der Schutz der Obstbäume vor Frostrissen
Ein mit hellem Lehm angestrichener Stamm schützt vor Frostrissen und Sonnenbrand. Zusätzlich sorgt ein mit Raupenleim bestrichenes Klebeband für Schutz vor dem Frostspanner. ©Stephan Grote
Anhaltende Frostperioden im Winter und gleichzeitig starke Sonneneinstrahlung können durch starke Temperaturunterschiede zwischen der Sonnenseite und der beschatteten Seite des Stammes vor allem bei jungen und mittelalten Obstbäumen Frostrisse verursachen. Oftmals tritt diese Schädigung in Kleingartenanlagen nicht auf, da eine ausreichende Beschattung der Baumstämme durch umgebendes Grün oder die Laube gegeben ist. Problematisch wird es z. B. in Kleingartenanlagen an einem Südhang durch die stärkere Sonneneinstrahlung, bei freistehenden Jungbäumen oder wenn die Bäume im Winter stark zurückgeschnitten wurden.
Insbesondere Obstbäume mit dunkler Rinde (z. B. Pflaumen) sind gefährdet, weil diese sich besonders aufheizen. Zur Vorbeugung ist es wichtig, den Stamm aufzuhellen, damit dieser die Sonnenstrahlen besser reflektiert und die Wärme nicht speichert. Üblicherweise erfolgt dies durch das Auftragen von käuflichen Mitteln (z. B. Stammkalkung). Der Effekt der Stammaufhellung kann aber auch durch das Umwickeln mit einem Juteband oder durch das Einkleiden mit einer Schilfmatte erreicht werden.
Als eine gute Alternative zu diesen beiden Methoden kann ein heller Lehmanstrich empfohlen werden. Dieser kann auch gegen Wildverbiss schützen, da seine körnige Struktur den rindenschädigenden Tieren nicht gefällt. Mit etwas weniger Wasser angerührt kann der Lehmanstrich auch auf größere Schnittwunden, Frostrisse und Sonnenbrand aufgetragen werden. Eine Heilung dieser Wunden kann dadurch gefördert werden.
Mögliches Rezept für einen Lehmanstrich
- 2 Drittel natürlicher Lehm - alternativ Unterputzlehm mit feingemahlenem Stroh oder anderen Pflanzenfasern versetzt (erhältlich im Baumarkt)
- 1 Drittel Urgesteinsmehl, beispielsweise Diabas-Urgesteinsmehl (fein gemahlen)
- Wasser (1 kg Lehm-Diabas-Gemisch mit 0,5 Liter Wasser)
- Etwas Sonnenblumenöl oder Leinöl zur besseren Haftung
Das Anbringen von Leimringen gegen den Frostspanner
Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass der durch Leimringe zu bekämpfende Schädling der Frostspanner ist. Dieser im Frühjahr auftretende Nachtfalter ist ein Laub- und Blütenschädling.
Es handelt sich also nicht um die sog. Obstbaummade. Diese ist beim Apfelbaum die Raupe des Apfelwicklers, der durch andere Maßnahmen, u. a. das Abbürsten des Stammes, eingedämmt werden kann (s. o.).
Die Raupen des Frostspanners haben sich im Sommer im Boden verpuppt und schlüpfen oftmals mit Beginn der ersten Bodenfröste. Die flugunfähigen und nachtaktiven Frostspannerweibchen klettern anschließend die Stämme hoch. Sie bevorzugen Süßkirschen, kommen aber an allen Obstbäumen vor und treten insbesondere in der Nähe zu Waldrändern vermehrt auf.
Zur Bekämpfung der Tiere können Leimringe um die Stämme angebracht werden. Die Tiere bleiben an den Leimringen kleben und können dann ihre Eier nicht in der Baumkrone ablegen. Die männlichen Tiere, die fliegen können, bleiben nach dem Besuch des Weibchens oftmals auch an dem Leimring kleben.
Zur Vorbereitung der Leimringanbringung sollte der Stamm vorher abgebürstet werden.
Oftmals werden gekaufte Leimringe angebracht oder der Leim wird direkt auf den Stamm aufgetragen. Ein praktikabler Mittelweg ist das Umkleben des Stammes mit einem dunklen Gewebeband (Panzerband). Dieser Ring wird dann mit Raupenleim eingepinselt. Helles Gewebeband sollte vermieden werden, da dieses andere Fluginsekten anlocken könnte.
Mit ausgehendem Winter sollte der Leimring abgenommen und entsorgt werden. Eine weitere Verwendung des Leimrings im Frühjahr, z. B. zur Bekämpfung anderer Insekten, wird nicht empfohlen. 1. bleiben viele Nützlinge an dem Leim kleben und 2. können viele Singvögel nach dem Abpicken der Insekten unter verklebten Schnäbeln leiden.
Woran ist noch zu denken
Engmaschiger Kaninchendraht schützt junge Obstbäume vor Wildverbiss. ©Stephan Grote
Neben der Schaffung eines naturnahen Lebensumfelds und einem fachgerechten Obstbaumschnitt benötigen Obstbäume in einigen Fällen weitere Hilfe von uns. Insbesondere die Verhinderung von Frostrissen durch Stammanstriche und das Anbringen von Leimringen zum Schutz vor Frostspannerraupen sind sinnvolle Maßnahmen.
Für die Vorbereitung der Obstbäume auf den Winter ist es auch wichtig, an den Schutz vor Verbiss an den Stämmen junger Obstbäume durch Wildkaninchen, Hasen oder sogar auch Rehe zu denken.
Ein Drahtschutz aus engmaschigem Kaninchendraht um den Stamm (bei Rehen bis zu einer Höhe von 150 cm) ist auch in vielen Kleingartenanlagen sinnvoll. Dies sollte spätestens bis Ende Oktober erledigt sein.
Zur Erinnerung: Die Zeit von November bis Mitte Dezember ist die beste Pflanzzeit für Obstbäume! Bitte auch dabei an das Anbringen eines Schutzdrahtes für den Stamm und auch an einen vorbeugenden Lehmanstrich denken.
Autor:
Stephan Grote
Hauptamtlicher Fachberater
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