Wie Worte wirken: Sprache, Körpersprache und Gesprächsführung
Wie wir fragen, bestimmt, was wir hören: Offene Fragen schaffen Raum für Perspektiven, Verständnis und ein besseres Miteinander im Verein. ©Nuthawut Somsuk – istockphoto.com
Serie: Miteinander kommunizieren, miteinander wachsen (Teil 2)
Nachdem wir uns im Teil 1"Haltung entscheidet: Warum gute Kommunikation im Kleingarten beginnt)" mit der inneren Haltung beschäftigt haben, geht es nun um das Handwerkszeug guter Kommunikation. Denn wie wir sprechen, auftreten und fragen, entscheidet maßgeblich darüber,
ob wir verstanden werden.
Harmonisierung: Aufeinander eingehen
Erfolgreiche Kommunikation bedeutet, sich aufeinander einzustellen und das auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Wer klar und einfach spricht, ruhig und im richtigen Tempo, und dabei offen und zugewandt auftritt, schafft eine Gesprächsatmosphäre, in der sich das Gegenüber verstanden fühlt. Unsere Körpersprache macht dabei oft mehr sichtbar als unsere Worte.
Auch die Art, wie wir sprechen, hat großen Einfluss: Stimmlage, Lautstärke, Tempo, Pausen und Betonung, all das prägt, wie unsere Botschaft ankommt. Nicht nur was wir sagen, zählt – sondern wie wir es sagen.
Fragen stellen & Gespräche lenken
Fragen haben eine Schlüsselrolle in jedem Gespräch. Die Qualität der Frage bestimmt die Qualität der Antwort.
Offene Fragen – nach dem Wer, Wie, Was, Wann – laden zum Erzählen ein und schaffen Raum für Perspektiven. Sie sind besonders dann wertvoll, wenn wir eine Situation erst verstehen wollen, bevor wir urteilen oder handeln.
Geschlossene Fragen hingegen bringen Klarheit, wo Klarheit gebraucht wird: „Kommst du morgen zur Gemeinschaftsarbeit?" Ein bewusster Wechsel zwischen beiden Formen macht Gespräche lebendig und zielführend.
Ein besonderer Hinweis gilt der Frage „Warum?": Sie sollte sparsam eingesetzt werden. Sie lenkt den Blick oft in die Vergangenheit und kann schnell als Vorwurf verstanden werden – selbst wenn das gar nicht beabsichtigt ist.
Beispiel aus dem Vereinsalltag
Der Vorstand spricht ein Mitglied an, das seit langem nicht zur Gemeinschaftsarbeit erschienen ist. Statt „Warum kommst du nie?" – eine Frage, die schnell wie ein Vorwurf klingt – fragt er: „Wie läuft es bei dir gerade?" Das Gespräch, das folgt, zeigt: Das Mitglied steckt in einer schwierigen Lebensphase. Eine offene Frage hat eine Tür geöffnet, die eine geschlossene zugeschlagen hätte.
Gespräche aktiv gestalten
Wer ein Gespräch bewusst führt, überlässt seinen Verlauf nicht dem Zufall.
Konkret bedeutet das:
- zwischendurch nachfragen: „Habe ich Sie richtig verstanden?",
- das Gesagte zusammenfassen,
- Gefühle benennen und
- Inhalte durch Beispiele veranschaulichen.
Das klingt nach viel, wird aber schnell zur Gewohnheit.
Auch Pausen sind wichtig. Sie geben Raum zum Nachdenken und fördern den Austausch. Ein gutes Gespräch lebt vom Gleichgewicht: Beide Seiten sollten ungefähr gleich viel Redezeit haben. Mit diesen Grundsätzen im Blick lässt sich fast jedes Gespräch im Verein bewusster und erfolgreicher gestalten.
Wer die folgenden Fragen vor einem wichtigen Gespräch kurz durchgeht, ist gut vorbereitet, ob beim Mitgliedergespräch, in der Vorstandsrunde oder beim Klärungsgespräch unter Nachbarn:
Mein Gespräch – gut vorbereitet?
- Habe ich Zeit und Ort bewusst gewählt?
- Spreche ich ruhig und in klaren Sätzen?
- Stelle ich offene Fragen statt Vorwürfe?
- Lasse ich dem anderen genug Raum zum Antworten?
- Fasse ich am Ende zusammen, was besprochen wurde?
Darauf können Sie sich im nächsten Teil freuen
Im dritten Teil der Serie "Miteinander kommunizieren, miteinander wachsen" geht es um die praktische Anwendung: Wie bereiten wir Gespräche vor? Wie gehen wir mit Kritik um? Und wie können Konflikte im Verein konstruktiv gelöst werden?
Autor:
Rolf Rosendahl
Vorsitzender des Landesverbandes Westfalen und Lippe der Kleingärtner e.V.
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